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Inspiration Nr. 3 - 2022

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Expert Textilkunde

Expert Textilkunde besondere Eigenschaften verleiht: Erstens kann Merinowolle einen hohen Anteil an Feuchtigkeit aufnehmen und in ihrer Faserstruktur «verstecken», ehe sich das Textil unangenehm feucht anfühlt. Und zweitens unterdrückt diese Struktur auch die typische Geruchsbildung. «Merinowolle riecht einfach nicht so stark», erklärt die Produktmanagerin, «das ist auf Mehrtagestouren schon ein gewaltiger Vorteil.» Neben der dominierenden Merinowolle sind im Bergsport noch zwei weitere Naturfasern relevant. Zum einen Hanf, das immer mehr Hersteller verarbeiten, etwa Ortovox, Ternua oder Maloja. «Hanf braucht im Anbau viel weniger Wasser und Chemie als Baumwolle, und es wächst sehr schnell», erklärt Stünzi, «es ist eine tolle, robuste Faser, die sich auch haptisch gut anfühlt.» In puncto Feuchtigkeitsmanagement und Temperaturregulierung schneidet Hanf besser ab als Baumwolle, kommt aber nicht ganz an Merinowolle heran. «Hanf ist derzeit vor allem bei Kletterbekleidung beigemischt, mit Anteilen von 30 Prozent. Früher waren die Seile daraus, jetzt sind es eben die Hosen und Shirts», lacht Stünzi. Zum anderen ist da noch Lyocell, auch bekannt unter dem Markennamen Tencel. Dahinter verbirgt sich eine industriell hergestellte Zellulosefaser. «Lyocell wird gerne für Sommerbekleidung verwendet oder beigemischt», weiss Stünzi, «denn es hat kühlende Eigenschaften, fällt sehr schön und hat einen angenehmen Touch – ein wenig wie Seide.» Nicht unerwähnt bleiben «Materialmischungen vereinen die Vorteile beider Welten: das Geruchshemmende von Merino, das Schnelltrocknende von Synthetik – und die Haltbarkeit wird auch noch verbessert.» 44 Daniela Stünzi Produktmanagerin soll auch das Projekt der Frauenmarke La Munt, die jüngst mit rezyklierten Kaschmir-Oberteilen an den Start ging. Die kuschlig-weiche Faser kannte man bis dato nur aus dem Luxusbereich. «Es tut sich viel derzeit», freut sich Stünzi, «das bringt die Branche voran.» Die Kunstfasern Gut zu wissen: Mikron Warum ist Grosis Wollpulli kratzig, während Merinowolle recht weich auf der Haut liegt? Der Grund liegt in der Stärke von Wollfasern, die in Mikron angegeben wird. Ein Mikron entspricht einem Mikrometer, also einem Tausendstel Millimeter oder 0,000001 Metern. Ganz klar: je feiner die Faser, desto weniger Kratzgefühl auf der Haut. Feine Merinounterwäsche hat in der Regel eine Stärke von 16 bis 23 Mikron, grobe Schurwolle hat eine Feinheit zwischen 28 und 38 Mikron. Exotische Wolle ist noch feiner, etwa das Unterhaar von Moschusochsen (11 bis 17 Mikron) oder Vikunjawolle (10 bis 20 Mikron). Ein menschliches Haar ist im Durchschnitt 50 bis 80 Mikron stark, weisse Rohseide ist gerade einmal drei Mikron dünn. Seit 1935 mit der Nylonfaser erstmals ein Garn vollständig synthetisch hergestellt wurde, ist der Markt an Synthetikfasern unüberschaubar gross geworden. Bergsportler sollten vor allem drei kennen: Polyester, Polyamide (zu denen auch Nylon zählt) und Elastan. Die ersten beiden sind dabei so ähnlich, dass Stünzi die Unterschiede «für den Endkunden vernächlässigbar» hält. Polyester trocknet einen Tick schneller, ist geschmeidiger und hält die Farben etwas länger als Nylon, das dafür Vorteile bei Reissfestigkeit und Robustheit hat. Beide werden aus Erdöl hergestellt oder, was immer häufiger geschieht, rezykliert. Im Vergleich zu Naturfasern haben Polyester und Polyamid eminent bessere Eigenschaften im Abtransport von Feuchtigkeit – Synthetikbekleidung trocknet konkurrenzlos schnell. Zweiter grosser Vorteil gegenüber Merinowolle: Kunstfaser ist pflegeleicht. Nachteilig ist, wie jeder weiss, die (mehr oder weniger starke) Geruchsbildung verschwitzter Kunstfaser. Und: Beide Garne sind wenig dehnbar, weshalb oft Elastan ins Spiel kommt. «Dank Elastan macht ein Bekleidungsstück alle Bewegungen mit, auch wenn es eng am Körper anliegt», erklärt Stünzi. Weil vom Klettern bis zur Skitour überall am Berg viel Bewegungsfreiheit gefragt ist, findet man Elastan (im Englischen «spandex») sehr häufig auf dem Waschzettel im Kragen. Die Beimischung von drei bis acht Prozent Elastan genügt, «ohne dass es die grundsätzlichen Materialeigenschaften verändert», so die Bächli-Expertin. Übrigens: Schon lange Zeit versuchen Hersteller, der Kunstfaser die nachteilige Geruchsbildung auszutreiben – meist über Beimischung bestimmter Partikel. Bei Bächli erhältlich sind etwa die Technologien «Zeroscent» von Odlo, bei der biobasierte Polymere des Schweizer Herstellers HeiQ einen Schutzfilm um die Kunstfaser legen. Schöffel geht bei «s.Café» einen anderen Weg und integriert gemahlenen Kaffeesatz schon bei der Garnproduktion in die Faser, um so die Struktur geruchshemmender zu machen. Und bei Bekleidung mit einer «Polygiene»-Ausrüstung sollen Silberchloride eine antibakterielle, geruchshemmende Wirkung fördern. «Man kann mit diesen Technologien den Effekt mindern, aber an Merinowolle kommt es noch nicht heran.» Die Mischungen Was also sollten Bergsportler für ihre Bekleidung wählen – Naturfaser oder Kunstfaser? «Ganz grob zusammengefasst macht Kunstfaser dann Sinn, wenn man zügig unterwegs ist, aktiv schwitzt und bald nach dem Sport duschen geht. Merinowolle empfehlen wir beim weniger schnellen Bergsport, bei Mehrtagestouren oder wenn man auf Skitour auch mal gemütlich Salami und Käse auspackt», erklärt die Produktmanagerin. «Man muss einfach schauen, wie viel man schwitzt.» Laut Stünzi würde derzeit bei Bächli etwas mehr Merinowäsche verkauft als solche aus Kunstfaser. Je weiter es in Richtung Midlayer geht, desto mehr gewinnt Kunstfaser wieder die Oberhand. Wobei die Unterscheidung von Kunstfaser und Naturfaser heutzutage gar nicht mehr so einfach möglich ist. Denn einerseits kommen derzeit biobasierte Kunstfasern auf den Markt, etwa auf der Basis von Rizinussamen, wie im Textil «Natex» der Firma UYN. Und andererseits haben Hersteller längst einen Weg gefunden, Natur und Synthetik zu verbinden. Etwa, indem Merinofaser um einen Kern aus Nylon gesponnen wird. «Diese Materialmischungen vereinen Manikia, Griechenland. Ein perfektes Ziel für Sasha DiGiulian und Alex Megos: Überhänge in unglaublich leuchtenden Farben, Sintersäulen, Höhlen... Einfach alles, was sie brauchen um Spaß zu haben! Und um am Fels zu punkten, haben sie sich mit SIROCCO-Helmen und HIRUNDOS-Klettergurten aus der PERFORMANCE- Reihe ausgestattet. © 2022 - Petzl Distribution - sambie.fr die Vorteile beider Welten», sagt Stünzi, «das Geruchshemmende von Merino, das Schnelltrocknende von Synthetik – und die Haltbarkeit wird auch noch verbessert.» Apropos Haltbarkeit: «Das Pflegeetikett zu lesen ist eminent wichtig», sagt Daniela Stünzi. Die Bächli-Expertin empfiehlt für Merinobekleidung ein Spezialwaschmittel, das die nachfettenden Eigenschaften der Wollfaser erhält. Von ihnen hängt nämlich auch die Hemmung von Gerüchen ab. Und es sei zwar richtig, dass man Merinobekleidung auch mal auslüften statt waschen könne. Das von Wetterschutzjacken bekannte Pflege-Mantra «So oft wie nötig, so wenig wie möglich waschen» müsse man auf Wollwäsche aber nicht anwenden. «Ich persönlich wasche meine Baselayer und T-Shirts nach jedem Einsatz, auch die aus Merinowolle. Das verträgt die Wäsche auch, wenn man es richtig macht», so Stünzi. 45

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