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Inspiration Nr. 3 - 2021

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WEGWEISER URI ROTSTOCK

WEGWEISER URI ROTSTOCK Weiter oben beginnt eine nicht nur für Geologen merkwürdige Wegstrecke. Gleichmässige, wie mit einem Wunderschwert geschnittene Felsterrassen, schichten sich auf, und wir wandeln über die abgeschliffenen Platten, als wären es die Sinterterrassen von Pamukkale oder zumindest der Steinbruch von Carrara. Auch in diesem Becken befand sich einmal der Chlitaler Firn – doch das, was davon noch übrig ist, wird nun als Toteis von Schotter bedeckt. So steigen wir ohne Eisberührung den letzten steilen Schotterhang hinauf in den Rotstocksattel. «Gott sei Dank», entfährt es Michi. Nicht, weil uns nur noch ein paar Minuten von der nächsten Schoggi trennen, sondern weil der Blick zum Blüemlisalpfirn frei wird und beweist, dass das Seil für die morgige Tour zum Brunnistock nicht völlig umsonst dabei ist. Am Gipfel des Uri Rotstock reduzieren wir die Schoggi- Last um ein Zehntel, sehen uns satt am Tiefblick zum Urner See und gestatten uns dann ein Nickerchen, weil der Ausblick Richtung Titlis, Dammastock und Co. sowieso wolkenverhangen ist. Die ultrafitten Trailrunner, die den «Rotä» als Tagestour von St. Jakob aus durchziehen und nur kurz am Gipfel anschlagen, nehmen wir blinzelnd wahr und freuen uns still, dass wir noch länger hier sein dürfen. Das Restprogramm ist schnell erledigt: Durch den Schotter der roten Gipfelpyramide pflügen, ein paar seilversicherte Steilstücke abklettern, «Der apere Gletscher zwingt uns keinen Weg auf, nach Belieben steuern wir unsere Seilschaft über kleine Spalten.» ein gutes Stündchen später stehen wir vor der Gitschenhörelihütte. EISIG UND EINLADEND Die bestens gepflegte Selbstversorgerhütte besitzt den Luxus einer sonnigen Natursteinterrasse, auf der wir uns ausstrecken und die Schoggi-Last weiter reduzieren. «Meine Liebe rot wie Blut und weiss wie Schnee» singen die Anhänger des grössten deutschen Fussballklubs, und das passt auch in diesem alpinen Amphitheater: links auf den Rängen der Uri Rotstock mit seiner roten Zipfel-, pardon, Gipfelhaube; rechts der Brunnistock mit dem mal weissen, mal auch eher graublauen Blüemlisalpfirn. Anders als sein zerrissener Namensvetter im Berner Oberland wirkt er einladend: ein flacher, hindernisloser Zugang führt auf die breite Gletscherzunge, die frei von Flaschenhälsen, Séracs oder Randspalten ist. Ein Gletscher, wie gemacht für erste Erfahrungen im Eis, zur Verfeinerung der Steigeisentechnik oder für den nervenschonenden Wiedereinstieg nach längerer Hochtourenabstinenz. Als Krönung vermittelt ein dünnes Firnband den Übergang zum Gipfelgrat des Brunnistocks – ideale Aussichten für den morgigen Tag. Schon bei der Reservation hatte die Hüttenwartin angekündigt, dass die Holz-, Bier- und Weinvorräte erst zwei Tage zuvor aufgefüllt worden seien – und dass noch eine fünfköpfige Wandergruppe vorbeischauen würde. Alles treffen wir wie angekündigt vor Ort an, Regenwasser zum Auf dem Weg zum Uri Rotstock begegnen wir Terrassen wie in Pamukkale. Ständig im Blick: der Urnersee, der zweieinhalbtausend Höhenmeter unter dem Uri Rotstock liegt. X ULTRA 4 MID GTX W Konzipiert für Stabilität und Grip, massgeschneidert für die weibliche Fussform. 24 INSPIRATION 03 / 2021 25

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