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Inspiration - Nr. 04.2021

PARTNERCHECK ATK 2010

PARTNERCHECK ATK 2010 entscheidet der Padrone, ausser Rennbindungen auch Modelle für Allround- und Genuss-Tourer zu entwickeln. Nächtelang brütet er über den Details für die dafür erforderlichen CNC-Maschinen. Wenn dann eine neue Maschine geliefert wird und sie seinen Ansprüchen genügt, ist das für ihn jedes Mal wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag zusammen. Die «Passione», die Leidenschaft, brennt in ihm. Er ist wild entschlossen, seinen Konkurrenten Marktanteile abzujagen und selbst kräftig zu wachsen. Er holt dafür 2012 seinen Sohn Davide in die Firma, der heute, als 31-Jähriger, deren CEO ist. Tatsächlich arbeitet die ganze Familie für den Erfolg von ATK und identifiziert sich zu 100 Prozent mit dem Produkt. Während Davide das operative Geschäft führt, hält ihm Mutter Guerrina den Rücken frei, indem sie sich um die Verwaltung kümmert. Heute produzieren 70 Mitarbeitende Mit leichten, nahezu vollständig aus Metall gefrästen Pin-Bindungen stiess ATK um 2007 in den Markt. jedes Jahr Zehntausende Paar Bindungen und diverses Zubehör für den Skitourenmarkt. ATK-Produkte gibt es in 22 Ländern zu kaufen, der Umsatz liegt im hohen einstelligen Millionen-Euro-Bereich. 85 Prozent seiner Produkte verkauft ATK im Ausland. Nach einer Delle zu Beginn der Pandemie konnte ATK von der Schliessung der meisten Skigebiete in den Alpen im Winter 2020/21 profitieren und beim Absatz noch einmal deutlich zulegen. Wer die Fabrik in Fiorano Modenese besucht, wird beeindruckt sein von der Fertigungstiefe: 90 Prozent der Bindungs-Teile werden direkt von ATK gefräst, nur die Schrauben und Farben stammen von externen Zulieferern. Den Indultis ist es wichtig, die Lieferkette vollständig zu kontrollieren – auch das ist eine Lehre aus der Finanzkrise. PASSION FÜR LEICHTIGKEIT «Wir wachsen derzeit so schnell, dass wir bei vielen Themen gar nicht hinterherkommen», räumt Davide Indulti ein. Auch er fuhr früher nur Ski auf Pisten. «Die Leidenschaft kam mit dem Tüfteln.» Längst ist er ein begeisterter Tourengeher, der Prototypen – gerne auf dem Apennin – auf Herz und Nieren testet und schon einmal emotional reagiert, wenn eine ATK-Bindung bei einem Vergleichstest nicht so gut abschneidet, wie er es für geboten hält. Andererseits: Kritik spornt an, treibt Innovation voran. Bislang hat ATK mehrere Dutzend Patente angemeldet. Ausserdem soll die Firma noch nachhaltiger werden, verspricht Davide. Schon jetzt produzieren die Solar-Paneele auf dem Firmendach 170 Kilowattstunden Strom täglich. Spiegelsysteme reflektieren das natürliche Sonnenlicht und reduzieren den Energieverbrauch. Die Abwärme der Fräsen und Maschinen wird zum Heizen genutzt. Alu-Späne aus den Fräsen werden recycelt, indem sie gesammelt und zu Klötzen gepresst dem Lieferanten zurückgegeben werden, der sie dann wiederverwendet. Die Indultis konnten zudem den Wasserverbrauch weiter reduzieren. Und sie haben in eine Verpackungsmaschine investiert, die ganz ohne aus Erdöl gewonnenes Plastik auskommt. «Eine wirklich nachhaltig hergestellte Bindung wollen wir 2023/24 auf dem Markt haben», kündigt Davide an. Auf seiner To-do-Liste steht auch das Thema Sicherheit. Insbesondere sehr leichte Pin-Bindungen stehen im Ruf, Neben ultraleichten Rennbindungen für Skibergsteiger nimmt ATK zunehmend auch abfahrtsorientierte Tourengeher ins Visier. Nächstes Ziel: eine Hybridbindung. verletzungsanfälliger zu sein als Konkurrenzprodukte, deren Auslöse-Mechanismus wie bei Alpin-Bindungen funktioniert. Und dann möchte er auch ein Hybrid-Modell aus Tourenund Alpin-Bindung an den Start bringen, das jene ansprechen soll, die im Winter nicht so viele Tage auf Skiern stehen und sich nicht verschiedene Modelle für jede Spielart des Skifahrens kaufen wollen. Weil alle diese Innovationen und auch die Expansion auf dem nordamerikanischen Markt viel Kapital erfordern, haben die Indultis im Mai 2021 neue Investoren an Bord geholt. «Innovation, die auf permanenter Forschung und Entwicklung basiert, ist die DNA unserer Firma», erklärt Da- MEILENSTEINE 1998 2006 2007 2010 2011 2012 2020 2023/24 Giovanni Indulti gründet die auf das CNC-Fräsen spezialisierte Firma Gimec. Der erste Prototyp einer Race-Tourenbindung entsteht. Indulti gründet ATK, zuerst als Teil von Gimec. Die erste Allround- Touring-Kollektion wird vorgestellt. FOTO: ATK SPORTS FOTO: ANTON BREY ATK Sports wird eine eigenständige Firma. Giovanni Indultis Sohn Davide steigt in das Unternehmen ein. Der Pandemie-Winter 2020/21 beschert ATK einen Rekordumsatz. ATK will die erste komplett nachhaltig gebaute Bindung vorstellen. 44 INSPIRATION 04 / 2021 45

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