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Inspiration - Nr. 04.2021

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RUBRIK UNTERRUBRIK WEGWEISER DESTINATION DAVOS IM REICH DER POWDER PIONIERE Davos Klosters ist eine der traditionsreichsten Wintersportdestinationen der Alpen. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Aufstieg zum Luftkurort. Heute fühlen sich hier Eishockey- Fans, Wirtschaftsführer, Langläufer wie Dario Cologna, Tourengeher und Freerider gleichermassen wohl. TEXT GÜNTER KAST Das Aufsteigen mit Muskelkraft hat in Davos eine lange Tradition – das 12 Abfahren aber auch. INSPIRATION 04 / 2021 FOTOS: CHRISTIAN EGELMAIR In normalen Zeiten ist richtig was los in und vor der Jatzhütte am «Party-Berg» Jakobshorn. Da wummern die Bässe. Da legen bekannte DJs schon zur Mittagszeit auf. Da stossen im Outdoor-Whirlpool Feierwütige mit Schümli-Pflümli oder dem legendären Kaffi Sex an. Für Genuss-Skifahrer, die für mehr als ein halbes Dutzend Abfahrten keine Kraft in den Beinen haben, ist die Jatzhütte das perfekte Alibi, um den Skitag frühzeitig und gemütlich ausklingen zu lassen. Im vergangenen Winter, dem Pandemie-Winter, war freilich alles anders. Mit gebührendem Sicherheitsabstand löffelten die Pistenfahrer vor der Hütte ihre Suppe oder wärmten sich mit einem Tee auf. Keine Musik, keine Party. Selten war so viel Stille. Die Skitourengeher und Freerider, die hier ihre Felle aufzogen, wurden kaum eines Blickes gewürdigt. Früher galten die «Aufsteiger» als Exoten. Im Corona-Winter kamen sie endgültig im Mainstream an. Das Ziel der Freerider war das 2682 Meter hohe Jatzhorn, keine halbe Gehstunde oberhalb der Hütte gelegen. Hier zogen sie ihre Felle ab und machten sich fertig für die im Idealfall unverspurten Nord- und Osthänge, die über die Alp Stillberg bis Teufi hinabführen. Ein bisschen Gleiten auf der zugeschneiten Strasse, ein bisschen Stockeinsatz – und schon waren sie zurück in Davos und bereit für neue Abenteuer abseits der Pisten. 900 Höhenmeter Abfahrt bei nur 180 Aufstiegsmetern: Für viele ist das der perfekte Mix. DIE POWDER-PIONIERE Was moderne «Freireiter» vermutlich nicht wissen: Das Aufsteigen mit Muskelkraft hat in Davos eine sehr lange Tradition. Am 23. März 1894, also vor 125 Jahren, zieht ein gewisser Arthur Conan Doyle in Davos-Frauenkirch Steigfelle aus Seehund-Haut auf die 2,40 Meter langen und nur zehn Zentimeter breiten Holzskier. Das Ziel des Briten, schon zu Lebzeiten berühmt für seine Sherlock-Holmes- Krimis: die 2436 Meter hohe Maienfelder Furka. Von dort will er mit zwei einheimischen Skipionieren, den Brüdern Tobias und Johann Branger, bis nach Arosa abfahren. «Die Brangers gehörten zu den Ersten, die diesen damals in den Alpen noch unbekannten Sport ausübten», erzählt Käthy Cajacob, die im Wintersportmuseum Davos Führungen zu den Anfängen des Pulverrauschs anbietet. Die Gebrüder Branger hatten Doyle das Skifahren erst drei Monate zuvor beigebracht. «Ein hölzerner Kuhstall war das letzte Zeichen menschlicher Zivilisation, das wir bis Arosa sehen sollten», berichtet der Brite in seiner Reportage über die Pioniertour. Daran hat sich auf dieser Route bis heute nichts geändert. Die Berge reihum sind mit Bergbahnen bestens erschlossen, doch die Maienfelder Furka blieb jungfräulich. Pistenfahrer und Tourengeher kommen in Davos eben gleichermassen auf ihre Kosten. Leider verlief die Abfahrt damals nicht ganz unfallfrei: Einer der Führer verstauchte sich den Knöchel, und auch die Hose des Autors überstand die kleine Expedition nicht ohne Risse. Dennoch fiel das Fazit Doyles positiv aus: «Tatsächlich ist es im Winter einfacher als im Sommer, eine Reise über höhere Pässe zu machen. Auf Schnee ist die Mühe nur halb so gross, weil die Abfahrt hauptsächlich ein blosses Gleiten ist». Wer nun denkt, Skifahrer waren die Frontleute des Wintertourismus in Davos, liegt trotzdem falsch. «Die ersten Wintergäste trafen laut Ortschronik ja bereits am 2. Februar 1865 ein. Nicht die Weissfluh oder das Jakobshorn, 13

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