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Inspiration Nr. 04 - 2022

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Rubrik Thema Robert

Rubrik Thema Robert Bösch Gipfeltreffen ‹2› Wieso? Mountains sollte nicht einfach eine Sammlung meiner besten Fotos aus den letzten Jahrzehnten sein. Nein, ich wollte neues Bildmaterial erschaffen und dafür mein ganzes Know-how, meine jahrzehntelange Erfahrung aus der Action- und Kunstfotografie einfliessen lassen. Als das Buch vollendet war, realisierte ich, dass es meine Erwartungen mehr als erfüllte. Das war ein schönes Gefühl. Aber es wurde mir auch bewusst, dass ich etwas erreicht hatte, das ich als Ganzes nicht mehr steigern konnte. Ich musste neue Wege gehen. Denn als Fotograf möchte ich mich weiterentwickeln und nicht repetitiv werden. Als Konsequenz habe ich mit der Werbefotografie und den Reportagen aufgehört und konzentriere mich fortan auf die Kunstfotografie. ‹1› Der Speedflyer Ueli Kestenholz vor dem Tschingelgrat – Sefinengrat bei Lauterbrunnen ‹2› Seit er digital fotografiert, sucht Bösch monochrome Stimmungen. Das Foto zeigt einen Grat in Langtang, Nepal. ‹3› Symbiose von Action und Kunst: Gleitschirmpilot Chrigel Mauerer in Berührung mit dem Obers Sulsseewli, Lauterbrunnen, Berner Alpen «Wieso sollte ich noch den schönsten Farbund Lichtstimmungen nachrennen?» schmunzeln und lassen mich wissen, dass ich der einzige Fotograf bin, der das so handhabt. Alle anderen würden das rasch am Computer richtigstellen. Der Ausschnittgrundsatz und nichts ins Bild kopieren oder herausnehmen, das sind meine persönlichen Leitplanken. Seit einigen Jahren fotografierst du auch schwarz-weiss. So sieht es doch auch nicht aus, wenn du den Auslöser drückst? Das stimmt. Es handelt sich dabei ebenfalls um eine Verfremdung. Sie ist hingegen akzeptiert in der Fotografie. Ich fand zu diesem Stilmittel beim Wechsel von analog zu digital. Ein Wechsel, der ‹1› mir schwerfiel. Als ich sah, wie man aus einem guten Foto mit wenigen Schritten am Computer ein herausragendes Bild schaffen kann, war ich frustriert. Wieso sollte ich noch den schönsten Farb- und Lichtstimmungen in der Natur nachrennen? Diese Stimmungen verloren ihren Reiz. Bei der Schwarz-Weiss-Fotografie oder den nahezu monochromen Stimmungen in der Natur dominiert hingegen die Bildkomposition. Ein verschneites Feld in der Bewegungsunschärfe, ein verzerrter Scheinwerfer und das alles in Schwarz-Weiss: So könnte man das Foto auf dem Cover deines Fotos: Robert Bösch ‹3› Kunstbandes No Man’s Land beschreiben. Was macht dieses Foto aus? Es ist ein mysteriöses Foto. Man ist nicht ganz sicher, was drauf ist. Eigentlich muss ich es gar nicht erklären. Wenn das Bild einfach so auf dich wirkt, dann hat es den Zweck erfüllt. Ende August bist du 68 Jahre alt geworden. Du bist also Rentner? Seit einigen Jahren bin ich AHV-positiv, aber nicht pensioniert. Ich arbeite immer noch zwischen 60 und 100 Prozent. Weil ich mich fotografisch weg von der Auftragsfotografie hin zur Kunstfotografie entwickelt habe, sind die Hektik und der Druck von damals nicht mehr da. Viele meiner Bücher sind für mich Meilensteine. So auch mein Bildband Mountains. Ein Buch, mit dem ich sehr zufrieden bin, welches mich aber nach der Publikation in ein Motivationsloch stürzte. Wenn du in den Bergen unterwegs bist, hast du bestimmt eine schwere Fotoausrüstung mit dabei? Einspruch! Da vermischst du zwei für mich völlig verschiedene Zugänge zu den Bergen! Ich trenne das Bergsteigen und die Fotografie konsequent. Als Fotograf bin ich aufs Bild fokussiert. Dann hat die Fortbewegung wenig mit Bergsteigen zu tun. Zum Beispiel realisierte ich die erste Eins-zu-eins-Reportage aus der Eigernordwand. Dazu war ich mit einem Kollegen in der Seilschaft. Er stieg die ganze Route vor und sicherte mich, während ich die andere Seilschaft fotografierte. So eine Besteigung der Eigernordwand zählt für mich nicht. Vor- und nachher war ich mehrmals als Bergsteiger in dieser Wand. Da konzentrierten wir uns aufs Klettern. Das Fotografieren interessiert bei solchen Begehungen nicht. Für mich zählen nur Routen, die ich auch im Vorstieg geklettert bin. Das letzte Mal trafen wir uns vor über 20 Jahren hier in eurem Haus am Ägerisee zum Interview. Gerade lag eine Kletterreise nach Patagonien hinter dir. Zusammen mit Thomas Wälti hattest du dich am Cerro Torre versucht, bis euch ein Sturm kurz vor dem Gipfel zur Umkehr gezwungen hatte. Auf meine Frage, ob ihr denn auch Spass hattet am Berg, reagiertest du mit Empörung. Für dich war Bergsteigen Leistungssport und nicht Spass. 40 41

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