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Inspiration Nr. 02-2020

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EXPERT DRAUSSEN KOCHEN

EXPERT DRAUSSEN KOCHEN ALPINE ANHEIZER Kochen unter extremen Bedingungen gehört zum Bergsteigen dazu. Umso wichtiger ist deswegen die Wahl der passenden Ausrüstung, um selbst bei widrigsten Bedingungen eine warme Mahlzeit zubereiten zu können. Bächli-Produktmanagerin Andrea Brändli weiss, worauf es beim Kochen unter freiem Himmel ankommt. ILLUSTRATION: SOPHIE KETTERER TEXT RABEA ZÜHLKE In eisigen Höhen, hängend in der Big Wall oder auf minimalem Platz beim Biwakieren: Das Kochen am Berg stellt Mensch und Material auf die Probe. Selbst bei starkem Wind, fehlendem Untergrund oder zweistelligen Minustemperaturen muss die Handhabung von Kocher und Brennstoff unkompliziert und zuverlässig sein. Und so vielfältig wie die Anforderungen ist auch das Angebot an Koch- Systemen. «Als Erstes muss der Einsatzbereich genau definiert werden», weiss Bächli-Expertin Andrea Brändli. «In welcher Region kommt der Kocher zum Einsatz, in welcher Höhe und bei welcher Temperatur?» Ausschlaggebend ist ausserdem, ob der Kocher ausschliesslich für alpine Touren gebraucht wird. Denn im Gegensatz zu klassischen Camping-Kochern sind beim Bergsteigen niedriges Gewicht und Packmass elementar – genauso wie die Wahl des passenden Brennstoffes. WOMIT KOCHEN? Gas und Benzin sind die gängigsten Brennstoffe im Outdoor-Bereich. Durch die starke Leistung und das einfache Handling sind Gaskocher vor allem bei alpinen Unternehmungen bis -15 °C die idealen Tourenbegleiter. «Es ist kein Vorheizen notwendig, und es entsteht nur ein minimaler Wartungsaufwand. Das Kochen mit Gas ist sehr sauber und sparsam», sagt Brändli. Ist Gas der perfekte Brennstoff? Nicht immer: Bei kalten Temperaturen und mit zunehmender Höhe nimmt die Leistung von Gaskochern rapide ab. Gängige Kartuschen, die mit einer Mischung aus Butan, Isobutan und Propan befüllt sind, stehen unter einem gewissen Druck, damit das Gas in der Kartusche flüssig bleibt. Ist es zu kalt, nimmt der Druck in der Kartusche ab, das Flüssiggas verdampft schlechter und kann nicht mehr in Gasform aus der Kartusche austreten. Kocher mit einer externen Zuleitung, etwa der Vega von Optimus, schaffen bis zu einem gewissen Grad Abhilfe: «Die Kartusche kann dann auf den Kopf gestellt werden, wodurch entsprechend Druck erzeugt wird», erklärt die Bächli-Expertin. Hilfreich ist ausserdem, die Gaskartusche unter der Jacke oder im Schlafsack warmzuhalten. Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von «Wintergas»: Dafür werden Gase mit einem niedrigeren Siedepunkt wie Propan (-40 °C) und Isobutan (-12 °C) vermischt und in einer speziell konstruierten Kartusche geliefert. «So kann das Gas auch bei tiefen Temperaturen verdampfen», erklärt die Bächli-Produktmanagerin. Ein Nachteil von Gas ist die Verfügbarkeit: Zwar haben sich Kartuschen mit Schraubventil durchgesetzt, aber in entlegenen Erdwinkeln sind sie nicht immer leicht zu bekommen, zumal die Mitnahme im Flugzeug verboten ist. Zudem lässt sich der Füllstand nur schätzen – eine Waage hat man beim Klettern eher selten dabei. Trotzdem ist Gas am Berg der optimale Brennstoff für Temperaturen bis maximal -15 °C. Sind über längere Zeit kältere Temperaturen zu erwarten, empfiehlt sich der Einsatz von Benzinkochern. VORSICHT BEIM KOCHEN IM ZELT Benzin punktet auf Wintertouren und grösseren Expeditionen. Es besitzt einen sehr hohen Brennwert, und das unabhängig von der Aussentemperatur. Gleichzeitig ist Benzin sparsam im Verbrauch und weltweit recht gut verfügbar. «Die höchsten Heizwerte und die sauberste Verbrennung werden mit Reinbenzin erzielt», weiss Brändli. «Autobenzin enthält Zusätze wie Blei oder Schmierstoffe, die den Kocher verunreinigen und regelmässige Wartung erfordern.» Im Gegensatz zu Gaskochern ist das Kochen mit Benzin etwas aufwendiger: Vor dem Gebrauch muss der flüssige Brennstoff über eine Pumpe unter Druck gesetzt und vorgeheizt werden. Zudem produziert ein Benzinkocher mehr Russ, was Pflege und Wartung der Pumpendichtungen und des Brenners aufwendiger macht. Ein weiteres Manko: Benzin riecht unangenehm. «Und wegen der Gefahr von Stichflammen sollte man mit Benzin möglichst draussen kochen», rät Brändli. Generell sollte das Kochen im Zelt, unabhängig vom Brennstoff, sowieso vermieden werden, da es zu einer lebensbedrohlichen Kohlenmonoxidvergiftung kommen kann. Erstes Anzeichen dafür ist eine flackernde, pulsierende Flamme und eintretende Müdigkeit. Geht es gar nicht anders, sollte in der belüfteten Apsis gekocht und für ausreichend Belüftung im Zelt gesorgt werden. Andere Brennstoffe, wie Spiritus, Esbit INSPIRATION 02 / 2020 19

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