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Inspiration 4/2017 de

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GIPFELTREFFEN KURT

GIPFELTREFFEN KURT AMACHER Was hat sich seit Ihren Anfängen bei der Bergrettung geändert? Bei meinen ersten Einsätzen hat man noch sehr viel von Hand gemacht. Vom Gipfel aus die Retter an Stahlseilen ablassen, so habe ich es gelernt. Ich habe dann mitgeholfen, die Hubschrauberrettung mit dem langen Seil zu entwickeln und war selbst in über 100 Einsätzen an der Longline unten am Haken. Wie fühlt es sich an, wenn man plötzlich in der Wand steht – abgeschnitten? Das ist komisch. Wenn das Wetter mal kritisch wurde, habe ich schon mal gefunkt: Du, setz‘ mich ab, aber ich hänge mich nicht aus. Ich möchte schon wieder wegkommen. Amachers Meinung zum Antlitz der Nordwand: «Mit dem Neuschnee ist es wieder der Eiger. Vorher war sie komplett schwarz, sehr unschön.» Unvermeidlich: Mit jedem Blick in die Wand scannt Amacher auch die gängigen Routen ab. «Ich bin beruhigt, heute ist niemand drin.» «Wir Grindelwalder gingen bis 1977 überhaupt nie in diese Wand. Es hiess immer: Da geht man nicht rein.» Sie waren viele Jahre Leiter der Grindelwalder Bergrettung. Welche Verantwortung trägt man für seine Kollegen? Es ist enorm wichtig, auf seine Kameraden zu schauen. Im Einsatz hast du einen Tunnelblick. Man will ja helfen, retten. Da sieht man die Gefahren nicht mehr. Das ist die grosse Aufgabe für den Chef: alles versuchen, aber zuerst für die eigene Sicherheit sorgen. Ich möchte nicht zu einem nach Hause gehen und sagen müssen, der Fritz kommt nicht mehr. Oft helfen schon Kleinigkeiten. Einen erschöpften, aber unverletzten Kletterer habe ich einmal gebeten, vom Dritten Eisfeld wieder hundert Meter zurück zum Bügeleisen zu gehen. Da brauchen wir nicht 200 Meter Longline, da reichen schon 30 oder 35 Meter. Für einen Piloten sind das Welten. Der sieht dich ja nur als Punkt, und du musst ihn dirigieren. Noch ein Meter links oder 50 Zentimeter nach vorne. Ist in solchen Situationen Platz für den Gedanken, vielleicht nicht mehr zurückzukehren? Daran denkt man nicht. Aber es ist schon speziell. Du bekommst die Meldung, musst binnen zehn, zwölf Minuten parat sein, und dann fliegst du hoch. Diese Minuten sind wie ein Film. Was erwartet mich? Einmal lautete die Meldung: Ein Basejumper ist vom Pilz gesprungen, hat den Fels touchiert und ist neben dem Stollenloch auf einem Felsband aufgeschlagen. Ich dachte: Um Himmels willen, was treffe ich da an. Beim Anflug habe ich im Schnee einen Punkt gesehen, aber keinen Schirm. Der Hubschrauber setzt mich ab, und als ich näher komme, sehe ich den Basejumper, bis zur Brust im Schnee. Der Kopf hat rausgeschaut. Ich komme zu ihm, er hebt die Hand und sagt: «Servus!» Unglaublich. Den Schirm hatte er schon wieder eingepackt. Beim Wegfliegen hat er zu mir noch gesagt: Kannst du mich noch auf den Pilz hochfliegen? Aber das ging natürlich nicht (lacht). 34

Werden die grossen Tragödien weniger? Toni Kurz im Jahr 1936, das berühmte Corti-Drama von 1957 – aber in letzter Zeit? Früher gab es die Hubschrauber nicht. Mit Beginn der Flugrettung sind die schweren Dramen deutlich zurückgegangen. Ich erinnere mich an das Corti-Drama, da war ich ein kleiner Bub. Ich habe unten vom Tal mit einem Feldstecher alles verfolgt. HIGH MOUNTAINS HIGH PROTECTION War das ausschlaggebend für die Berufswahl? Nicht nur, aber auch. Zuerst habe ich Spengler gelernt, bin aber immer mehr in die Berge gegangen. Tragischerweise habe ich dann meinen Bruder an der Jungfrau verloren. Da habe ich entschieden: Ich möchte auch mithelfen, wenn so etwas passiert. Braucht es einen solchen Impuls von aussen? Das kann gut sein, ja. Oder ein Umfeld, das dich anleitet. Man wächst mit den Aufgaben. Aber einen Anstoss braucht es. Spielt Ruhm eine Rolle? Naja, nein. Es gibt vielleicht solche. Aber ich gehöre nicht dazu. Es motiviert mich, wenn man etwas richtig gemacht hat. Und umgekehrt hadert man, wenn etwas nicht gelingt. Was sehen Sie, wenn Sie heute in die Wand schauen? Nach all den Erlebnissen? Ich sehe einen Strich, die Heckmair- Route, den könnte ich dir genau nachfahren. Man geht die Linien durch und erinnert sich, hier war das, dort war jenes. Das ist wie ein Film. Aber mit Abstand. UM 360° VERSTELLBARE BÜGEL EXPLORER 2.0 / SELBSTTÖNENDE GLÄSER KAT.2>4 ABNEHMBARE SEITENTEILE Verbesserte Ergonomie und Belüftung, angesagtes, schlankes Design ... Die Explorer 2.0 erreicht eine neue, ultimative Performance. Umfassende Abdeckung, abnehmbare Seitenteile, um 360° verstellbare Bügel und Gläser der höchsten Sonnenschutzkategorie machen diese Gletscherbrille zum kompromisslosen Begleiter unter extremen Bedingungen. – Photos : © Marc Daviet - Semaphore. INSPIRATION 04 / 2017 Christophe DUMAREST Bergsteiger julbo.com

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