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Inspiration 4/2017 de

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GIPFELTREFFEN KURT

GIPFELTREFFEN KURT AMACHER «DAS RETTUNGSWESEN IST WIE EINE WAAGE.» Kurt Amacher war 18 Jahre lang Leiter der Bergrettung Grindelwald und kennt jeden Meter der Eigernordwand – obwohl er sie selbst nie durchstiegen hat. Im Interview auf dem Männlichen erzählt Amacher vom Gefühl an der Longline, von Käsepaketen und von Einsätzen, die er nie vergessen wird. INTERVIEW THOMAS EBERT FOTOS BEN ZURBRIGGEN Herr Amacher, wie war der Sommer in der Eigernordwand? Den ganzen Sommer war es zu warm, es wird ja fast nicht mehr null Grad kalt. Die Wand war komplett aper, schwarz. Es gab einzelne Begehungen, vor allem von guten Kletterern. Den weniger guten hat man abgeraten. Und wenn sie trotzdem gegangen sind, sind sie meist am nächsten Tag zurückgekehrt. Oder sie haben sich durchs Stollenloch in Sicherheit gebracht – wir hatten noch keinen Todesfall dieses Jahr, das ist schon speziell. Was unterscheidet den guten vom schlechten Eigernordwand- Aspiranten? Wichtig ist nicht nur das Technische, man muss auch körperlich fit sein. Es sind ja doch immerhin 1800 Höhenmeter. Aber es gibt hier fast keine schlechten Alpinisten mehr. Die Wand wird heute oft in einem Tag gemacht. Das finde ich fast schade, denn in der Eigernordwand gehört ein Biwak dazu, und das ist im Götterquergang. Aber heute geht es natürlich um Speed. Aber Geschwindigkeit ist doch auch Sicherheit? Das schon. Ueli Steck, der ja leider umgekommen ist, habe ich zwei Wochen nach seinem Rekord am Eiger getroffen. Damals habe ich ihm gesagt, dass ich vor seiner Leistung den Hut ziehe, er für uns aber leider nichts Gutes getan hat. Denn zwei Tage später stand in der Zeitung: Eigernordwand, 2 Stunden 28 Minuten. Und drei Tage später hatten wir 18 Seilschaften in der Wand. Das gab es noch nie. Gott sei dank ist nichts passiert. 30

Standfest: «Man muss auch Nein sagen können», sagt Kurt Amacher über die Pflichten eines Rettungsleiters. Nämlich dann, wenn es für die Retter zu gefährlich wird.

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