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Inspiration 4/2017 de

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WEGWEISER Kurze

WEGWEISER Kurze Aufstiege gehören beim Freetouring mit dazu. Bei diesem Ausblick sind sie sogar Genuss. «Alleine die Liftanlagen ermöglichen Abfahrten mit rund 1500 Metern Höhenunterschied.» PULVER MIT VIERTAUSENDER-PANORAMA «Du zuerst!» François lässt Luggi den Vortritt. Ein lauter «Pooowder!»-Ruf und eine wirbelnde Schneefahne begleiten seine ersten Schwünge. Der Pulverrausch ist zwar vorbei, sobald er seine Line in den sonnigen Teil des Hanges lenkt, doch dafür überzieht hier ein samtener Firnteppich das kupierte Gelände. Dank der Liftunterstützung hat man genügend Kraft für ordentlich Tiefenmeter. Fürs Freetouring ist das Val d’Anniviers wie geschaffen. «Alleine die Liftanlagen ermöglichen Abfahrten mit rund 1500 Metern Höhenunterschied», beschreibt François beim folgenden Aufstieg die Möglichkeiten. «Kombiniert mit ein paar Aufstiegen zwischen ein und zwei Stunden summiert sich leicht noch deutlich mehr.» Für Luggi sind Tourengehen und Freeriden Parallelwelten, die sich perfekt ergänzen. «Da bin ich in meinem Element!» Die gut erschlossenen Skigebiete von Grimentz, Zinal, Vercorin und Saint-Luc, die unberührten hochalpinen Gipfel ringsum machen das Val d’Anniviers zu einem wahren Paradies fürs Freetouring. Aber längst nicht zum einzigen. Auch Gebiete wie Andermatt, Chamonix, Courmayeur, Gressoney oder Engelberg bieten grosses Potenzial – wie eigentlich alle Skiregionen mit Liften hinauf in weitläufiges, hochalpines Terrain. Die Chancen auf unverspurte Hänge sind deutlich höher als beim Freeriden in Liftnähe, die Abfahrten oft noch spektakulärer. Die Lifte sparen Zeit und Kraft, so lassen sich an einem Tag leicht doppelt oder dreimal so viele Höhenmeter sammeln wie bei normalen Skitouren. Nicht weniger schön als auf traditionellen Touren ist das Panorama. Weg von den Liften, einmal übern Grat, und schon findet man sich in unberührten Berglandschaften wieder. «Allerdings sollte man beim Freetouring noch sensibler sein als beim Freeriden, was die Lawinengefahr betrifft», mahnt François. «Denn ausserhalb der Skigebietsgrenzen erfolgen keine Lawinensprengungen, und die meisten Hänge werden auch deutlich weniger befahren, was das Risiko erhöht.» 14

VAL D’ANNIVIERS VAL D’ANNIVIERS 32 FREERIDE-VARIANTEN IN ZINAL UND GRIMENTZ Apéro mit Aussicht: Auf der Cabane Becs de Bosson ist das gewaltige Panorama inklusive. 120 MM – DURCHSCHNITT- LICHE MONATLICHE NIEDERSCHLAGSMENGE IN ZINAL IM WINTER 12 VIERTAUSENDER BIETET DAS PANORAMA 1886 JAHRGANG DES ÄLTESTEN GLETSCHER- WEINS IN GRIMENTZ SCHNEESTURM UND GLETSCHERWEIN Der lange Skitag endet mit einem kurzen Aufstieg – von der Bergstation des Schlepplifts Lona 2 über die Schulter des Grimentzer Hausgipfels Becs de Bosson zur gleichnamigen Hütte. Die letzten Tagesgäste brechen gerade auf. Doch noch scheint die Sonne warm. Perfekt für ein gemütliches Après! «Santé!», prostet François. Und dann erzählt er mit Blick auf die Gletscher rund um die Dent Blanche, wie das Val d’Anniviers zwei weitere Welten vereint: das fast mediterrane Rhonetal und die vergletscherten Gipfelregionen – beide fast unmittelbar nebeneinander. Beide Sphären vereinigen sich im Gletscherwein. «Den gibt es nicht zu kaufen. Auch nicht hier auf der Hütte», verrät François. Seine Konsistenz folgt einer altüberlieferten Tradition. Dazu wird der Wein in alten Holzfässern nie ganz geleert und im Abstand von Jahren mit neuem edlen Tropfen aufgefüllt. Im Weinkeller des «Cave de la Bourgeoise de Grimentz» lagert unter anderem das Lärchenholzfass «Tonneau de l’Evéque». Die Basis seines Inhalts stammt aus dem Jahr 1886. Solche Spezialitäten kann Hüttenwirt Marcel von der Cabane Becs de Bosson zwar nicht auftischen. Dafür aber gibt’s ein Abendessen mitten im Schneesturm. Plötzlich scheinen die Haufenwolken über den Berggipfeln zu explodieren. Die Bergkulisse draussen vor den grossen Panoramafenstern weicht einem dicken Flockenwirbel. «Polenta mit Pulver», scherzt Luggi. «Die perfekte Stärkung für morgen.» Während der Schwedenofen warm und knackend vor sich hin bollert, wird der Schneefall wieder schwächer, und die Dämmerung senkt sich über das Hochtal am Lac de Lona. Es liegt wohl eher an der flockig leichten Pulverauflage als an der Polenta, dass uns das Aufstehen am nächsten Morgen erstaunlich leicht fällt, obwohl es draussen noch fast dunkel ist. Der Plan ist einfach zu verlockend: rauf auf den Gipfelgrat am Becs de Bosson und die erste Talabfahrt in Angriff nehmen, noch bevor die Lifte starten. Während im Westen noch der Mond über dem Mont Blanc steht, spurt Luggi voraus bergauf. Unsere Rechnung geht auf. In weiten, staubenden Schwüngen ziehen wir bei Sonnenaufgang den Gipfelhang des Becs de Bosson hinab. INSPIRATION 04 / 2017 15

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