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Inspiration 3/2017 de

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GIPFELTREFFEN Haben Sie

GIPFELTREFFEN Haben Sie bei solchen Hochrisiko- Aktionen nie Angst, «das letzte Bild» eines Athleten zu machen? Wenn Valery Rozov einen neuen Rekordsprung plant, oder Dani Arnold ein Speed-Solo, setze ich mich vorher intensiv damit auseinander, ob ich dabei sein will. Entscheidend ist für mich, dass der Athlet die Aktion gut geplant hat, dass ich seine Fähigkeiten einschätzen und ihm vertrauen kann, dass er die Aktion bei schlechten Gefühlen oder Bedingungen abbricht. Bei Dani oder Valery ist dieses Vertrauen da. Wenn ich dann mit ihnen unterwegs bin, geht es mir nur noch ums Bild. Ich stelle alle Emotionen ab, verstecke mich vielleicht auch ein bisschen hinter der Kamera. «Grundsätzlich ist der Fotografenjob schon eine Plackerei.» In welchen Situationen wird abgebrochen? Mit Valery harrte ich am Uschba in Georgien eine Woche auf 4000 Meter aus bis das Wetter besser wurde und der Cognac aufgebraucht war. Oder diesen Frühling mit Dani in Kanada – er brach das Projekt ab, weil das Risiko zu hoch war. Bleiben wir beim Risiko: Wie wichtig ist es fürs Bild? Es spiegelt sich nicht zwingend im Bild. Ausserdem lassen sich nicht diese Bilder am besten vermarkten, bei denen ein Bergsteiger am meisten Risiko einging. Der Einsatz wird in den seltensten Fällen honoriert – das musste ich auch erst lernen. Das erste Einfachseil unter 50 g/m. www.beal-planet.com

THOMAS SENF Können Sie ein Beispiel nennen? Mit Ines Papert war ich in Kirgistan. Wir wollten die Erstbesteigung der Süd-Ost-Wand am 5842 Meter hohen Mount Kyzyl Asker im Alpinstil realisieren. Vier Wochen quälten wir uns bei minus 20 Grad. Letztlich scheiterte die Expedition an den äusseren Bedingungen. 200 Meter unter dem Gipfel kehrten wir um. Das Leiden, das hinter diesen Bildern steckt, interessierte niemanden. Kein Magazin wollte sie kaufen. Nach einer Tour in Nepal hatten Sie sogar ernsthafte Erfrierungen an den Zehen. Ja. Wir waren in einem Stil unterwegs, den ich «One-Way» nenne: Es gab keine Rückzugsmöglichkeit. Es war ein Schlüsselmoment in meinem Leben. Ich bin glimpflich davongekommen, musste mir aber überlegen, wie viel Risiko ich künftig noch eingehen will. Mit der Erkenntnis: One-Way-Besteigungen sind nichts für mich. Dazu bin ich nicht mehr bereit. Vor sechs Monaten ist Ihr Sohn Ben auf die Welt gekommen. Hat die Vaterschaft Ihre Risikobereitschaft verändert? Interessanterweise nicht. Aber ich bin heute ohnehin anders unterwegs als vor zehn Jahren. Ich machte meine Erfahrungen und hatte mehrmals Glück. Aus Fehlern wird man klug, darum ist einer nicht genug. Ihre Risikobereitschaft ist dennoch grösser als «normal». Ich weiss nicht, was normal ist. Aber ich will nichts schönreden. Bergsteigen ist grundsätzlich gefährlich und Extrembergsteigen noch ein Zacken mehr. Wann entstehen die stärksten Bilder? Sobald es am Berg nicht mehr lustig ist. Wenn schlechtes Wetter herrscht «Wenn man im Elbsandstein klettern lernt, kann man überall auf der Welt klettern und findet selbst die wildesten Routen ‹plaisir›.» Im besten Licht: Die Neuseeländerin Mayan Smith-Gobat klettert diese Schlüsselseillänge in «Riders on the Storm» als erster Mensch frei. Damit Thomas Senf sie in der ersten Morgensonne fotografieren kann, verlassen sie das Biwak in völliger Dunkelheit. Torre Central, Patagonien (Februar 2016). und man sich am liebsten nur noch in Daune verkriechen möchte. Warum? Weil es solche Bilder am seltensten gibt, und wir uns alle für solche Aufnahmen überwinden müssen. Ich weiss, dass meine Finger vor Kälte schmerzen, sobald ich die Kamera hervorhole. Die Jungs und Mädels achten nicht mehr darauf, vorteilhaft für die Kamera zu posieren. Sie wollen nur noch heil aus diesem Wetter rauskommen. Für mich sind solche Bilder der Inbegriff von Authentizität. INSPIRATION 03 / 2017 47

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