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Inspiration 2/2018 dt

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HOCHGENUSS BELLA TOLA,

HOCHGENUSS BELLA TOLA, ST-LUC bellatola.ch Das «Hôtel Bella Tola» mischt das Flair der glorreichen Vergangenheit subtil mit heutiger Energie. BELLEVUE ZU FÜSSEN DER EIGERNORDWAND Nur 40 Kilometer Luftlinie entfernt liegt die Kleine Scheidegg. Mit dem Auto ist der Weg jedoch nicht unter drei Stunden zu schaffen. Zunächst einmal kostet das abenteuerliche Bergsträsschen aus dem Val d’Anniviers Zeit und Nerven, und schliesslich ist das letzte Stück ab Grindelwald oder Lauterbrunnen nur mit der Wengernalpbahn (oder zu Fuss) erreichbar. SCHÖN ALT UND NICHT VON GESTERN Ein wirklich gutes Hotel gibt dem Gast das Gefühl, gar nicht in einem Hotel zu wohnen. Das ist die Meinung von Anne-Françoise und Claude Buchs. Die Gastgeber und Besitzer des Hôtel Bella Tola im Dörfchen St-Luc im Val d’Anniviers, unserer zweiten Etappe, schaffen es, ihre Gäste sehr persönlich zu betreuen. Fast so, als wären sie in einem privaten Anwesen eingeladen, in dem für alles gesorgt ist. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden hier die ersten Gäste empfangen, und seit die Familie Buchs das windschief-verwinkelte Haus vor gut zwanzig Jahren übernommen und mit subtilen Renovationen für die heutige Zeit fit gemacht hat, strahlt der alte Glanz in neuem Stil. An den Wänden hängen noch Schwarz-Weiss-Aufnahmen aus jener Zeit, als das Leben eine endlose Party war, noch niemand Kalorien zählte und keiner auf die Idee kam, Nikotin oder Alkohol zu meiden. Das unbeschwerte Grundgefühl der Pionierjahre des alpinen Tourismus blieb erhalten, und die öffentlichen Räume, die drei Restaurants und 30 Gästezimmer sind heute mit Sicherheit schöner, als die ursprünglichen es je waren. Zudem gibt es heute ein kleines Spa mit einer Reihe von Verwöhnbehandlungen, die ermatteten Städtern nach einem Wandertag guttun. Abends lassen die Gäste den historischen Speisesaal aufleben und geniessen elegante Sorglosigkeit. Oben auf 2064 Metern über Meer und buchstäblich zu Füssen der Eigernordwand empfängt das Hotel Bellevue des Alpes stilbewusste Berg-Enthusiasten, die Luxus nicht in Hotelsternen, sondern in Landschaftserlebnissen messen. Das Alpenrefugium wirkt sowohl von aussen wie von innen bis ins beglückende Detail so, als sei es seit der Belle Époque in einem gewaltigen Einmachglas konserviert worden. Dieser Eindruck ist das Ergebnis einer ungeheuren Anstrengung des Besitzerpaars Silvia und Andreas von Almen, die das Bellevue in fünfter Generation führen, jedem Modernisierungswahn widerstanden und bis heute bewusst auf technische Errungenschaften wie Fernseher oder Lift verzichten. In den 62 Zimmern wurden die alten Doppelfenster, die grossmütterlichen Betten und Lampenschirme, die Füsschenbadewannen und antiken Armaturen wo immer möglich erhalten. Die viktorianisch anmutende Lobby, die knarrenden Holztreppen, die Bar aus den Zwanzigerjahren – alles erstrahlt heute wie zu den Glanzzeiten des Hotels, und es braucht nicht viel Fantasie, um sich die Gäste vorzustellen, die hier anno dazumal ihre Ferien verbrachten. Es sei hier nicht verschwiegen, dass der Ausflugsrummel auf der Kleinen Scheidegg gewöhnungsbedürftig ist. Doch gegen 19 Uhr, wenn die letzten Bahnen talwärts fahren, kehrt auf der Passhöhe eine erhabene Ruhe ein und man fühlt sich wie in einer anderen Welt. FOTO: YANNICK LUTHY 58

BELLE-ÉPOQUE-HOTELS BELLEVUE DES ALPES, KLEINE SCHEIDEGG scheidegg-hotels.ch Am frühen Abend, wenn die Karawanen der Tagesausflügler abgezogen sind, gehört das «Bellevue des Alpes» den wenigen Glücklichen, die hier ein Zimmer reserviert haben. ZEITLOS ZAUBERBERGHAFT Auch das Berghotel Schatzalp, die letzte Station unserer nostalgischen Tour de Suisse, ist nur mit der Bahn zu erreichen. Es ist eines der wenigen, im Originalzustand erhaltenen baulichen Zeugnisse aus der Zeit, als in Davos die Tuberkulose-Sanatorien wie Pilze aus dem Boden schossen und der europäische Adel seine Lungenkrankheiten an der heilenden Höhenluft kurierte. Und es ist ein unverschämt altmodisches Hotel, in dem zuweilen der morbide Wind zu wehen scheint, der die Haare des Hans Castorp aus Thomas Manns epochalem Roman «Der Zauberberg» zerzauste. Ausserordentlich stimmungsvoll, wenn auch renovationsbedürftig, sind die Jugendstilzimmer zur sonnigen Talseite mit grossen Balkonen und original Davoser Liegen. Geradezu filmreif sind die drei «Kaiserzimmer» (Nr. 101, 201 und 301), benannt nach Kaiser Wilhelm II., der die Zimmer zehn Jahre für den Fall einer Tuberkulose-Erkrankung in seiner Familie gemietet hatte, diese aber nie bewohnte. BERGHOTEL SCHATZALP, DAVOS schatzalp.ch FOTO: ZVG Das Team des charismatischen Besitzers Pius App ist engagierter als in manchem höher besternten Hotel unten im Dorf, dennoch ist die Schatzalp für Liebhaber konfektionierter Modernität die schiere Hölle. Jäger verborgener Hotelschätze hingegen können im nahezu unveränderten Prachtbau mit den fabelhaften Hallen und der lang gestreckten Jugendstil-Veranda (der schönsten Sonnenterrasse von Davos) in die Atmosphäre der Belle Époque eintauchen und dabei eine Ahnung von Ewigkeit bekommen. Im Berghotel Schatzalp können naturverbundene Nostalgiker in eine verloren geglaubte Welt eintauchen, ohne mit Löchern im Portemonnaie abreisen zu müssen. INSPIRATION 02 / 2018 59

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