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Inspiration 2/2018 dt

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34 CLIMB FREE IM

34 CLIMB FREE IM HEILIGEN LAND

WEGWEISER ISRAEL TEXT DOMINIK OSWALD FOTOS MIKULAS ZUBEC Der tschechische Überkletterer Adam Ondra besucht auf Einladung von Ofer Blutrich Israel und klettert dabei mit «Climb Free» die erste 9a-Route des Landes. Ein kurzer Einblick in ein nicht ganz alltägliches Kletterziel. Ein gepanzertes Fahrzeug kommt uns entgegen. Uri, unser Fahrer, lässt die Fensterscheibe herunter. Er wechselt ein paar Worte mit den Soldaten – sie zeigen in Richtung Sonnenuntergang, Richtung Libanon. Wir wenden das Fahrzeug – jetzt kennt Uri den richtigen Weg. Ich frage, ob die Soldaten die Grenze bewachen. «Ja, aber es ist friedlich hier», versucht Uri uns zu beruhigen. Es könnte friedlicher nicht sein. Auf einem erdigen Pfad treten wir in eine Ebene hinaus. Nebst Zikadengeräusch klingt von fern der Gesang eines Muezzins zu uns herüber. Sonst ist es ruhig. Dann ertönt ein Schrei. Offenbar sind sie nicht mehr weit entfernt. Doch als wir sie erreichen, ist es schon zu spät: Adam Ondra hat soeben die härteste Route Israels erstbegangen. Adam folgte einer Einladung von Ofer Blutrich, dem stärksten Kletterer Israels. Er ist so etwas wie der Motor des Kletterszene im Heiligen Land. Vor 20 Jahren absolvierte er seinen obligatorischen Militärdienst, während eines Jahres war er in feindlichem Gebiet in Libanon stationiert. «Auf mich wurde mit so ziemlich jedem Geschoss gefeuert, das ihr euch vorstellen könnt», erzählt er. Doch Ofer hatte Glück, kam stets mit dem Schrecken davon. 2000 reiste er in die Schweiz, was seine Augen öffnete: «Dort sah ich zum ersten Mal, was Leben in Frieden bedeutet.» Er kehrte nach Israel zurück mit einer neuen Vorstellung von Leben. Kurz danach verliess er die Armee und begab sich als Rucksacktourist auf eine Weltreise. «Ich bin als Wanderer gestartet und als Kletterer heimgekehrt», sagt er rückblickend. Im Laufe seiner Weltreise wurde er ins Klettern eingeführt und hatte fortan nur noch Augen für kletterbaren Fels. Als er 2002 nach Israel zurückkehrte, hatte er kaum mehr als ein Jahr Klettererfahrung – und schaffte trotzdem bereits den Schwierigkeitsgrad 7c. Doch seine neu erworbene Fähigkeit brachte ihm in Israel der Jahrtausendwende wenig, wie er erzählt: «Klettern war kaum ein Thema in Israel und wenn, dann wurde es konservativ betrieben. Das heisst, es wurden einfache Routen geklettert im Sinne von Alpinismus, aber nicht Sportklettern.» Ofer begann seine eigenen Routen zu bohren. Nacheinander bescherte er seinem Land die erste 8a, 8b, 8c, 8c+. Doch die erste 9a war jemand anderem vorbehalten: Adam Ondra. VERSTECKT IM NIRGENDWO Der Ort des Geschehens ist die Nezer Cave: eine Kalkgrotte, die man nicht erahnen kann. Nur wenige Hundert Meter von den nächsten libanesischen Siedlungen entfernt, gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass es hier in der Nähe kletterbaren Fels geben könnte. Und doch – plötzlich steht man vor einer Grube, von der man zuerst nicht viel mehr sieht als ein dichtes Gewirr von Feigenbaum-Ästen. Nur mit viel Vorstellungsvermögen kann man die rötlichen Felsen erahnen. Doch wenn man schliesslich absteigt und hinter die Feigenbäume schaut, tut sie sich auf: die gewaltige, stark überhängende Nezer Cave mit den härtesten Routen Israels. Unter 8b gibt's hier nur wenig zu klettern. Nach seiner erfolgreichen Erstbegehung hat Adam noch nicht genug. Er klettert eine 8c+ onsight, die er für die Kamera gleich wiederholt. Ofer versucht eines seiner Projekte und macht Hinter dem Feigenbaum: die gewaltige, stark überhängende Nezer Cave mit der härtesten Route Israels. INSPIRATION 02 / 2018 35

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