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Inspiration 2/2018 dt

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SICHERHEIT:

SICHERHEIT: ALPINKLETTERN Wenn die Tage länger werden und die Temperaturen steigen, lockt es viele Kletterer wieder aus den Klettergärten in die höher gelegenen Mehrseillängen-Gebiete wie Rätikon, Furka oder ins Tessin. Zu Beginn der Saison lohnt sich ein kurzer Check: Vorbereitung, Material, Seilkommandos. Hier eine kurze Übersicht. TEXT ALEXANDRA SCHWEIKART Das Wetter passt, das Ziel ist ausgewählt und der richtige Kletterpartner hat auch noch Zeit! Viele Alpinkletterer haben sich oft im Winter schon eine Wunschliste an Routen zusammengestellt, die sie jetzt im Sommer anpacken wollen. Nun muss nur noch der Staub von der Ausrüstung gepustet werden und das Kletterabenteuer kann beginnen. Wie so oft schützt eine gute Vorbereitung vor unangenehmen Überraschungen: So lohnt es sich im Vorfeld, die Routen-Topos auszudrucken oder zu fotografieren und den Zustieg schon am Vorabend auszukundschaften, falls man in der morgendlichen Dunkelheit aufbrechen möchte. Manche Routen sind besonders beliebt. Daher ist es sinnvoll, noch einen Plan B in der Nähe vorzubereiten − falls in der geplanten Route schon andere Seilschaften unterwegs sind. STANDPLATZ-GEFLÜSTER Eingespielte Seilschaften verstehen sich blind, die Seilkommandos sind klar und so kommt selten Stress auf. Doch im alpinen Gelände können die Seillängen durchaus 40 Meter und länger sein. Die Verständigung wird schwierig, teilweise ist sie unmöglich. Hier hilft das Seil zur Kommunikation. Expertentipp: Der Vorsteiger zieht das Seil ruckartig zwei Meter nach oben, lässt es wieder fallen und wiederholt dies noch zweimal. Das signalisiert dem Nachsteiger, dass der 30

EXPERT ALPINKLETTERN Prusik-Knoten mit 5-7mm Reepschnur Kreuzklemmknoten mit Bandmaterial ILLUSTRATION: SOPHIE KETTERER Vorsteiger «Stand» hat. Alle weiteren Schritte verlaufen dann nach Plan und ohne Kommandos: Das Seil wird hochgezogen und der Nachsteiger klettert nach kurzem Warten los, wenn das Seil straff ist. Ohne solche Absprachen kann man leicht Zeit verlieren oder sich unnötig die Seele aus dem Leib schreien. INTERNATIONALE KOMMANDOS Vorsteiger: «Stand» (engl. «Off Belay»), wenn der Vorsteiger sicher am Stand ist Nachsteiger: «Seil ein» (engl. «Off Belay»), wenn das Seil vom Vorsteiger hochgezogen werden soll Nachsteiger: «Seil aus» (engl. «That‘s me»), wenn das Seil beim Nachsteiger straff ist Vorsteiger: «Nachkommen» (engl. «On belay»), wenn der Nachsteiger gesichert ist und losklettern kann Nachsteiger: «Ich komme» (engl. «Climbing»), wenn der Nachsteiger anfängt zu klettern STANDPLATZ-DISZIPLIN Ordnung ist das halbe Leben. Das gilt besonders am Standplatz! Sind die Seile ineinander verknotet, gibt es schnell Chaos und Zeitverlust. Expertentipp gegen Seilchaos: Der Vorsteiger zieht das Seil ein und legt es sich in Schlaufen abwechselnd links und rechts über die Beine. Dabei sind die ersten Schlaufen die längsten und jede weitere Schlaufe wird kleiner und kleiner. So liegen die kleinsten Schlaufen oben auf und können dann wieder leicht dem Vorsteiger ausgegeben werden. ABSEILEN Abseilen sollte man generell nur an absolut sicheren Fixpunkten: zwei verbundene Bohrhaken, ein stabiler Baum oder eine solide Sanduhr. Ein Seilende wird gefädelt und mit dem anderen Seil mittels gelegtem Sackstich verbunden (Überstand mindestens 30 Zentimeter). Die Seile werden einzeln in Schlaufen aufgenommen, jedes Ende bekommt einen Knoten, damit man am Ende nicht versehentlich darüber «hinausseilt». Nach einem beherzten «Achtung Seil» befördert man die Seile im hohen Bogen in die Tiefe. Ein Prusik-Klemmknoten am Seil schafft zusätzliche Sicherheit, entweder mit einer Reepschnur oder (falls man sie vergessen hat) mit einer Bandschlinge. SEILE ABZIEHEN Zum Zeitpunkt des Abseilens ist der Tag oft schon fortgeschritten und die Aufmerksamkeit lässt nach. Da die Seile oben verknotet sind, kann man sie − unten angekommen − nur an einem Ende abziehen. Halbseile mit unterschiedlichen Farben und ein gutes Gedächtnis sind hier hilfreich. Expertentipp: Vor dem Abseilen am oberen Stand schaut man sich die Seile genau an und legt dann das Seil, welches gezogen wird, in die RECHTE Öffnung des Sicherungsgerätes. So weiss man auch noch nach 60 Metern abseilen, an welchem Seil gezogen wird! Lassen sich die Seile nicht ziehen, weil beispielsweise die Banderole vom Seilende im Abseilring hängen bleibt, kann man das Seil in Wellenbewegungen schütteln oder das Seil so lange um sich selber drehen, bis die Drehung oben angekommen ist und sich das Seil löst. 31

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