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Inspiration 04-2019

GIPFELTREFFEN STECKBRIEF

GIPFELTREFFEN STECKBRIEF KARL EGLOFF Karl Egloff wurde am 16. März 1981 in Quito, Ecuador, geboren. Sein Vater Charly ist ein anerkannter Schweizer Bergführer in Ecuador. Karl besuchte in Quito die deutsche Schule, ging mit 17 in die Schweiz und studierte an der Zurich Business School. 2006 gründete er in Ecuador seine Bergschule «Cumbre Tours». Er spricht fliessend Spanisch, Deutsch und Schweizerdeutsch. Karl ist verheiratet mit einer Ecuadorianerin und hat einen Sohn. Skyrunning-Rekorde: 2012: Cotopaxi, Ecuador, 5897 m, 1 h 37 min 2014: Kilimandscharo, Tansania, 5895 m, 6 h 42 min Im Juni 2019 lief Karl Egloff in 11 h 44 min auf den Denali (6190 m) und wieder herunter. Auf den gut 4000 Höhenmetern war Egloff vier Minuten schneller als Kilian Jornet – aber ohne Ski! 2015: Aconcagua, Argentinien, 6962 m, 11 h 52 min 2016: Huascaran, Peru, 6655 m, 11 h 2017: Elbrus, Russland, 5642 m, 4 h 20 min 2019: Denali, USA, 6194 m, 11 h 44 min karlegloff.com oben nicht unter Zeitdruck gerät und Fehler macht. Am Denali sind die Strecken sehr lang, 60 Kilometer, alles auf dem Gletscher. Kilian ist mit Ski abgefahren. Kaum vorstellbar, dass Sie zu Fuss schneller waren. Warum ohne Ski? Ich möchte alle meine Speed- Besteigungen auf die gleiche Weise schaffen – zu Fuss. Ich war überrascht, mehr als zwei Stunden früher als Kilian auf dem Gipfel zu stehen, in 7 Stunden 40 Minuten. Deswegen sagte ich mir am Gipfel: Wieso nicht den Rekord auch mit Abstieg versuchen? Am Ende war es knapp, nur vier Minuten war ich schneller als Kilian. Sie sind in Ecuador geboren und aufgewachsen, sprechen aber Deutsch und Schweizer Dialekt. Warum ziehen Sie nicht gleich nach Europa? Südamerika ist ein Paradies zum Trainieren. Ich habe hier die perfekten Trainingsbedingungen für mein Projekt. Ich bin in knapp zwei Stunden von zu Hause mit dem Auto auf 5000 Meter und kann dort anfangen zu trainieren. Das gibt es in Europa nirgends. Wenn Sie in die Schweiz kommen, haben Sie dann ein Gefühl von Heimat? Ja. Mein Vater hat uns die Schweizer Kultur sehr, sehr nahegebracht. Ich bin mit meiner Schwester in einem Schweizer Zuhause in Quito aufgewachsen. Es gab jedes Wochenende Fondue und Raclette, wir haben am Tisch Schweizerdeutsch gesprochen, unsere Kunden waren Schweizer. Ich habe das Gefühl, dass wir im- «Ich komme aus einer Welt, wo ich mich freue, wenn ich einen Menschen am Berg sehe.» mer ein zweites Zuhause in der Schweiz haben. Zwischen all Ihren Aktivitäten: Suchen Sie nicht auch mal die Ruhe und Entschleunigung? Ruhe finde ich nur am Berg, egal, an welchem, egal, ob ein 2000er oder ein 6000er. Dort kann ich durchatmen. Das sind meine Götter. Mein Lieblingsort ist der Berg, wo unsere Familie eine Berghütte hat. Das ist meine Kirche, dort verbringe ich Zeit mit meiner Familie. Dort bin ich glücklich. Wie empfinden Sie diese Rennen im Vergleich dazu? (lacht) Ich komme aus einer Welt, wo ich mich freue, wenn ich einen Menschen am Berg sehe. Sehr wahrscheinlich ist es der einzige Mensch, den ich treffe. Als ich nach Zegama (Anmerkung d. Red.: ein Skyrunning- Berglauf im spanischen Baskenland) kam, sah ich den Weg nicht mehr vor lauter Menschen. Sie schreien, rufen, winken. Diese Szenen waren mir neu und haben mir Angst gemacht. Ich hatte Gänsehaut. Und dann spürte ich den Helikopter im Nacken. Normalerweise FOTO: ARCHIV KARL EGLOFF höre ich den Heli, weil eine Rettung stattfindet, das ist kein schönes Gefühl. Angst ist Ihnen also nicht fremd? Natürlich nicht. Ich habe Angst, mit den fitten jungen Sportlern morgen an den Start zu gehen, bei einem Rekordversuch mein Leben zu verlieren, schlechte Entscheidungen am Berg zu treffen. Nur die Höhe macht mir nicht so viel Angst, da bin ich in meinem Element. Eher habe ich Angst vor den Menschenmassen am Everest. Ich beschäftige mich schon heute intensiv mit dem Berg. So wie auch der Denali bis ins Detail perfekt geplant war. Da sind Sie auch sehr Schweizer, oder? Ja, ich schreibe mir alles auf, ich plane gern alles durch. Aber es kann eben doch mal etwas schiefgehen, wie am Denali. Beim Flug haben meine Steigeisen die Luftmatratze zerlöchert. Ich konnte acht Tage am Denali kaum schlafen auf dem Gletscherboden. Ich habe jetzt noch, drei Wochen später, Rückenschmerzen. Man lernt. Ich würde nie wieder ohne eine zweite Luftmatratze zum Denali reisen. 34

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