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Inspiration 04-2019

EXPERT STIRNLAMPEN

EXPERT STIRNLAMPEN EXPERT UNTERRUBRIK STIRNLAMPEN RUBRIK Hände frei: Auf Hochtouren sind Stirnlampen unverzichtbarer Teil der Ausrüstung. IM ROTLICHTMILIEU Trotzdem kann die Bedienung einer Stirnlampe eine Herausforderung sein: Je komplexer eine Lampe ist, desto aufwendiger ist das Menü. Bei einer durchschnittlichen Nutzung von 10 bis 12 Tagen im Jahr muss die Bedienung dennoch intuitiv bleiben, was in den meisten Fällen auch gelingt: Die Bedienungsanleitungen werden tendenziell immer kürzer. Weil ein Display zur Menüführung aber logischerweise fehlt, ermöglicht Petzl bei einigen Modellen die Feineinstellung der Lampen (z. B. Nao+) per Bluetooth- Verbindung über das Smartphone. «Wenn man das nicht möchte, kann man es aber auch einfach sein lassen – das finde ich schon auch wichtig», meint Schmid. In jedem Fall gilt: Es lohnt sich, die Bedienung vorab in einer der zwölf Bächli Bergsport Filialen zu testen. Gerade Bergsportler sollten zudem darauf achten, dass die Lampe eine Rotlicht-Funktion bereithält. Die ist nicht dazu da, eine Berghütte in einen zwielichtigen Nachtschuppen zu verwandeln. Vielmehr hat rotes Licht die angenehme Eigenschaft, nicht zu blenden. Ein kleiner Exkurs: Das menschliche Auge, bzw. im Dunkeln vor allem seine Stäbchenzellen, passt sich binnen 30 Minuten vollständig an die Dunkelheit an. Ein Blick in grelles Licht genügt aber, um die Augen wieder auf «Tageslicht» umzustellen! Wer also nachts das Lager in Richtung Toilette verlässt und dabei seine Mitmenschen nicht stören (und selbst anschliessend schnell einschlafen) will, sollte sich mit Rotlicht seinen Weg suchen. Viel hilft also nicht immer viel, und dieses Prinzip gilt auch beim ganz normalen Einsatz auf Skitour, Trailrun oder Wanderung. Als Faustregel gilt: Je schneller man sich bewegt, desto heller sollte die Lampe sein. Auskunft darüber gibt der abgestrahlte Lichtstrom, angegeben in Lumen. Die Spanne reicht von kleinen Notfallleuchten mit 10 Lumen über Allrounder mit 200 Lumen bis zum Flutlicht mit 2000 Lumen. Allerdings, so Schmid, liessen sich die Hersteller angaben untereinander nur bedingt vergleichen. Und überhaupt: «Mindestens so wichtig wie die maximale Lumenzahl ist die Form des Lichtkegels.» Bei moderaten Geschwindigkeiten braucht es einen gut ausgeleuchteten Nahbereich, zur Orientierung sollte man die Lampe zumindest kurzfristig auf «Fernlicht» umstellen können. Beim Trailrunning oder nächtlichen Skiabfahrten, die einen vorausschauenden Blick erfordern, braucht es generell einen weiten Lichtkegel. «Der sollte aber trotzdem breit sein, ich will «Es gibt im Bergsport für alle Zwecke die perfekte Stirnlampe. LED- und Lithium- Ionen-Technik haben enorme Komfortsprünge gebracht.» MATTHIAS SCHMID PRODUKTMANAGER STIRNLAMPEN FOTO: PATITUCCIPHOTO mich ja nicht in einem Korridor bewegen», so Schmid. Auch der Rand des Lichtkegels variiert von Lampe zu Lampe: Eine scharfe Grenze erzeugt einen Tunnelblick, diffuse Ränder lassen Licht und Schatten verschwimmen, was für das Auge angenehmer ist. Inzwischen sind sogar Stirnlampen erhältlich, die selbstständig von Nah- auf Fernbereich umstellen. Dazu zählen etwa alle Lampen mit Petzls «Reactive Lighting»-Technologie. Das automatische Abblenden schont nicht nur die Augen der Mitmenschen, sondern auch die eigenen, wenn man auf Skitour auf die Bindung blickt oder beim winterlichen Joggen in seine eigene Atemwolke. «Wenn da 500 Lumen reflektieren, kann das ziemlich blenden», so Schmid. Womöglich noch entscheidender auf Tour ist, dass mit Automatikfunktion keine unnötige Energie verstrahlt wird. «Geregelte Lampen haben einen grossen Vorteil bei der Energie- Ausbeute und können bei Bedarf nochmal maximales Licht liefern, wo eine ungeregelte Lampe bereits zu wenig Leistung hat», erklärt Schmid. Nicht automatisch, aber auch mit Handschuhen problemlos lassen sich Black Diamonds Stirnlampen mit «PowerTap«-Technologie regeln: Eine kleine Berührung am Gehäuse reicht, um die Lampe zu dimmen. Stirnlampen mit externen Akkupacks sind im Bergsport eher selten geworden – zu gut ist die Lichtausbeute moderner LEDs. Nur bei den ganz hellen Lampen für nächtliche Skitouren- oder Trailrunningwettkämpfe haben sie noch ihre Berechtigung. Empfehlenswert ist ein externer Akku aber beim Expeditionseinsatz. Dank Verlängerungskabel lässt sich der kälteempfindliche Akku während des Betriebs nah am Körper verstauen. So gut wie alle aktuellen Stirnlampen sind nach Schutzart IPX4 spritzwassergeschützt. «Vor ein paar Jahren war das noch eine Sensation», erinnert sich Schmid. FAZIT Heutige Stirnlampen lassen dank LED- und Lithium-Technik kaum mehr Wünsche offen. Bedienkonzept und Lichtausbeute unterscheiden sich aber teils so erheblich, dass ein ausführliches Beratungsgespräch oder ein Produkttest in einer der Bächli Bergsport Filialen im wahrsten Sinne des Wortes erhellend ist. 28 INSPIRATION 04 / 2019 29

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