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Inspiration 03/2016 dt

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«ICH SAMMLE NUR NOCH

«ICH SAMMLE NUR NOCH I-PÜNKTCHEN» Mit 15 auf dem ersten, mit 26 auf allen 4000ern der Schweiz und mit 42 Jahren auf den 61 Hauptgipfeln der Alpen: Das Bergsteigen begleitet Stefan Wullschleger (54) aus Allschwil durchs ganze Leben – hätte es aber beinahe beendet. In drei Hochtourenführern gibt er seine Erfahrung weiter. Bergkamerad «Diagnose: Genickbruch. Der zweite Halswirbel gebrochen. Das überleben nicht viele. Ein paar Tage vor meinem 50. Geburtstag war ich mit meiner Lebenspartnerin auf einer Skitour am Brisi. Perfekte Verhältnisse, ein wunderschöner Tag. Wir waren schon kurz vor dem Talboden. Da sehe ich zwei Pfosten. Eingeschneite Zäune sind die Gefahr Nummer eins im Jura. Aber da waren Spuren dazwischen, alles klar also. Man ahnt es: Beide Ski unter dem Zaun, ich darüber. Ich spürte, dass etwas im Genick schmerzte, fuhr danach aber noch mit den Ski ins Tal und mit dem Zug nach Hause. Danach trug ich drei Monate ein Korsett, hatte aber keine bleibenden Schäden. Ein geschenktes zweites Leben! Das Bergfieber packte mich, als ich mit meinen Eltern und meinem Cousin als 13-Jähriger in einer SAC-Hütte übernachtete. Am frühen Morgen raschelte es im Massenlager, die Ersten zogen los. Ich sah das Morgenrot, mich hielt nichts mehr im Bett. Mein Vater fand dann: Um das Bergsteigen gescheit zu lernen, gehst du am besten zur Jugendorganisation des SAC. Da standen auch Skitouren auf dem Programm: Mit dem Konfirmationsgeld von meinem Götti leistete ich mir die erste Tourenausrüstung. Mit 15 war ich auf meinem ersten 4000er, danach wurden es laufend mehr. Ich wusste von Bergsteigern, die auf allen 4000ern der Schweiz gewesen waren – mit 26 hatte auch ich alle. Zuletzt stand ich auf dem Dent d’Hérens, im Schatten des Matterhorns. Ich war erleichtert: Die Fixierung auf ein Ziel war weg, ich konnte wieder kreativer werden. Später hörte ich, dass Karl Blodig 61 Hauptgipfel der Alpen bestimmt hatte – und ich kannte keinen, der alle bestiegen hatte. 2004 erreichte ich als letzten davon die Aiguille Blanche de Peuterey. Heute habe ich kein fixes Ziel mehr, jede Tour ist eine Zugabe: Ich sammle nur noch i-Pünktchen. Beim Bergsteigen war ich erfolgreich. Im Job aber lief es nicht immer rund. Drei Mal war ich längere Zeit arbeitslos. Aber auch daraus entstand etwas: Ich war oft mit Bergführer Daniel Silbernagel unterwegs. Seine Skizzen hinten auf der 25’000er-Karte ersetzten jeden Tourenbeschrieb. Ein paar Jahre später hatte er mit meiner Mithilfe im eigenen Topoverlag drei Hochtourenführer für das Wallis, die Berner und die Bündner Alpen herausgebracht. Skitouren, Hochtouren, Klettern – ich bin sehr vielseitig unterwegs. Die Bächli Filiale in Basel hat dafür das Top-Sortiment. Einer meiner besten Kollegen arbeitet dort, mit ihm war ich schon in der Monte-Rosa-Ostwand, in Alaska und in Nepal. Er weiss genau, was ich brauche. Und Kameradschaft ist sowieso etwas vom Wichtigsten beim Bergsteigen. TEXT: MIA HOFMANN FOTO: ZVG 48 Impressum «Inspiration», die Kundenzeitschrift der Bächli Bergsport AG, erscheint 4 x jährlich und ist in allen Filialen kostenlos erhältlich. Auflage: 90’000 Exemplare Herausgeber Bächli Bergsport AG Gewerbestrasse 12, 8606 Nänikon Telefon 0848 448 448 (8 Rp./Min.) E-Mail info@baechli-bergsport.ch Redaktion & Layout outkomm gmbh Eichbergerstrasse 60, 9452 Hinterforst Telefon 071 755 66 55 E-Mail info@outkomm.com Druck Bruhin AG Pfarrmatte 6, 8807 Freienbach Telefon 055 415 34 34 E-Mail info@bruhin-druck.ch Copyright Alle Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung ist ohne Zustimmung des Herausgebers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen und multimedialen Systemen.

Spot Photo: Ben Moon

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