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Inspiration 01-2019 deutsch

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PARTNERCHECK LOWA

PARTNERCHECK LOWA «Zwickometer» stehen in Jetzendorf auch zwei Zentrifugen bereit, um in einem einstündigen Schleudergang zu verifizieren, ob (und wenn ja, wo) reklamierte Schuhe wirklich undicht sind. Beim Blick auf die Reparaturware wird klar, dass viele Menschen eine wahrhaft emotionale Bindung zu ihren Schuhen aufbauen können. 20, 25 Jahre alte oder gar noch betagtere Modelle warten da auf ihre Frischzellenkur, in teils abenteuerlichem Zustand. Trotzdem: «Zurückgewiesen wird eigentlich nichts. Ausser, der Schaft ist wirklich total zerbröselt», sagt Anke Stärk von Lowa, die beim Rundgang durch die Produktionshalle führt. Tatsächlich wird in Jetzendorf nicht nur repariert, sondern auch produziert, und zwar nicht nur in Form einer Endmontage von Schaft, Sohle und Schnürsenkel. Am deutschen Standort fertigt Lowa die robusteren, wiederbesohlbaren Modelle in gezwickter Machart. Die leichteren, gestrobelten Schuhe entstehen in der Slowakei. Jedes der bis zu 200 Teile pro Schuh stammt dabei aus Europa, von der Öse bis zum Leder. Letzteres wird übrigens zu 70 Prozent von der Gerberei Heinen aus Norddeutschland zugeliefert, die sich mit dem besonders ökologisch weiterverarbeiteten Terracare-Leder einen Namen gemacht hat. Im Erdgeschoss der Produktionshalle surren die Nähmaschinen und klappern die Stanzen. Aus Hunderten kleiner Leder- oder Synthetikstreifen, wasserdichtem Innenfutter und Metallösen entstehen hier in Handarbeit die Schuhschäfte. Der Zutritt zur Entwicklungsabteilung bleibt verwehrt – dass es sie gibt, zeigt sich am riesigen Schneidetisch nebenan. Ein Laser projiziert die neuesten Ideen der Produktentwickler direkt auf den Tisch, ein computergesteuerter Cutter seziert in Sekunden die gewünschten Einzelteile aus dem ausgerollten Leder. Weil die Wege kurz sind, kann in Jetzendorf binnen eines Tages aus einer 3D-Skizze ein fertiger Prototyp entstehen. RETTER RIETHMANN Ein Stockwerk darüber wird es dann ernst: Die «Hochzeit» von Schaft und Sohlenaufbau steht an. Grosse Gitterkästen voller Firmengeheimnisse stehen hier herum – die Leisten. Aus Kunststoff gegossen, für jedes Modell und jede Schuhgrösse leicht anders, über die Jahrzehnte in Millimeterschritten angepasst an die natürliche Entwicklung des menschlichen Fusses. Um diese Leisten herum zwicken spezielle Maschinen die Schäfte aus dem Erdgeschoss an die Brandsohle. Grosse Absauganlagen halten die Luft rein, denn für die Montage von Geröllschutzrand und Sohlenaufbau ist einiges an Kleber nötig. Hier noch etwas Feinschliff, Zwischenstopp beim «Ausleisten», da noch ein Durchgang in der Imprägnieranlage, Schnürsenkel rein, ab ins Lager. Um 10.53 Uhr zeigt der grosse Zähler an der Hallendecke bereits 575 fertige Lowa «Focus» an – simply more. Natürlich gab es Rückschläge in der Unternehmensgeschichte: Als 1953 infolge des Korea-Krieges das Leder knapp und teuer wurde, musste Gründer Lorenz Wagner «In der Schweiz erledigen wir alle Reparaturen selbst. Diese Nähe zum Kunden ist unsere Stärke.» RENÉ URFER CEO LOWA SCHWEIZ AG Seit 1923 sitzt Lowa im bayerischen Jetzendorf. Bei der Durchfahrt fällt das Gelände im Ortskern kaum auf. MEILENSTEINE 1923 1955 1978 1982 1992/93 1995 1998 2010 Lorenz Wagner gründet in Jetzendorf die Firma Lowa. Von Beginn an werden Haferl- und Bergschuhe gefertigt. Nach einem Insolvenzverfahren und dem Tod von Lorenz Wagner übernimmt dessen Schwiegersohn Sepp Lederer die Firma. Beginn des Vertriebs in der Schweiz: Fritz Müller gründet in einer Garage in Interlaken die Schweizer Lowa Schuhe AG. Neben Berg- und Skischuhen gibt es mit dem «Trekker» nun auch ein Wanderschuhmodell. Werner Riethmann (re.) wird Geschäftsführer von Lowa. Ein Jahr später übernimmt der italienische Konzern Tecnica die Firma. Das Sortiment wird um «Leichtschuhe» erweitert, Vorläufer der heutigen Multifunktionsschuhe. Einführung des Modells «Renegade» – laut Lowa der «wohl meistverkaufte Outdoor-Schuh Europas». Erstmals verkauft Lowa zwei Millionen Paar Schuhe pro Jahr. 60 INSPIRATION 01 / 2019 61

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