Aufrufe
vor 1 Jahr

Inspiration 01-2019 deutsch

  • Text
  • Lowa
  • Inspiration
  • Schweizer
  • Schweiz
  • Zeit
  • Soleil
  • Gewicht
  • Meter
  • Bergsport
  • Gipfel

GIPFELTREFFEN NINO

GIPFELTREFFEN NINO SCHURTER UNTERRUBRIK RUBRIK dort hinten schon ein wenig «ab vom Schuss», wenn man in den Ausgang wollte. Aber wir hatten super Eltern, die uns immer überall hingefahren haben. Egal, ob zum Mountainbiken oder für den Ausgang. Hat dich die Kindheit in einem Bergdorf geprägt? Ich denke schon. Wir hatten natürlich kein grosses Angebot, nicht einmal einen Fussballplatz. Aber ich habe es SCHNELLER SCHWEIZER nie als Nachteil empfunden. Wir haben viel draussen gespielt: Fangis, Versteckis, Räuber und Poli. Kindervelos hat es damals noch nicht gegeben – wir hatten BMX-Bikes und sind mit denen im Dorf herumgefräst. Als Mountainbike-Rennfahrer hast du alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Was treibt dich mit 32 Jahren noch an, wieder für eine neue Saison zu trainieren? Nino Schurter (32) ist der derzeit erfolgreichste aktive Mountainbiker der Welt. Bei der Heim-Weltmeisterschaft in Lenzerheide im vergangenen September konnte sich der Cross-Country-Racer der Schweizer Equipe «Scott-SRAM MTB Racing Team» zum siebten Mal zum Weltmeister krönen und das Regenbogentrikot überstreifen. Dazu kommen aktuell 30 Weltcup-Siege und drei olympische Medaillen (Bronze 2008 in Peking, Silber 2012 in London, Gold 2016 in Rio). Neben der Goldmedaille gehört zu seinen grössten Erfolgen vor allem auch die «perfekte Saison» 2017: Schurter gewann alle sechs Weltcup- Rennen, den Weltmeistertitel in Cairns (AUS) sowie das Etappenrennen Cape Epic in Südafrika und die Schweizer Meisterschaft in Monselvier. Aufgewachsen ist Schurter in Tersnaus, einem kleinen Dorf im Bündner Valsertal. Mit seiner Frau Nina und Tochter Lisa wohnt er mittlerweile in Chur. Im Winter trifft man Schurter auch auf Skitour am Berg, dann am liebsten im ruhigen Safiental. Oder daheim vor seiner Siebträgermaschine. Denn die grosse Leidenschaft neben seiner Familie und dem Sport gehört dem perfekten Kaffee. nsracing.ch Es ist mein Job. Aber es macht mir auch immer noch Spass. Mittlerweile weiss ich, was es alles braucht, um erfolgreich zu sein. Im Sport musst du immer top sein und alles geben, sonst reicht es irgendwann nicht mehr. Für mich gibt es momentan kein schöneres Leben als das eines Spitzensportlers. Das bedingt dann halt auch, dass man sich manchmal etwas quält. Das gehört dazu. Also keine Rücktrittsgedanken, bevor die Jungen dich überholen? Klar habe ich mir schon Gedanken gemacht. Aber solange es Spass macht und erfolgreich ist, ist der Moment noch nicht gekommen. Aber irgendwann wird der Moment kommen, zu sagen «Jetzt ist fertig!». Auf deiner Homepage schreibst du, dass der Wintersport, Skitouren gehen und Freeriden nach wie vor eine grosse Leidenschaft sind. Hast du noch nie Angst gehabt, dass du dich während der Vorbereitung auf die nächste Saison verletzt? Man che Sportler haben ja strikte Verbote, um ihre Saisonziele nicht zu gefährden. Wir sind im Team total frei – nur wenn wir uns beim Motocross verletzen, haben wir ein Problem mit dem Teamverantwortlichen. Ich mache auch keine extremen Sachen. Das Wetter und die Bedingungen müssen stimmen und die Verhältnisse müssen sicher sein. Aktuell komme ich auch viel zu wenig dazu. Eine Skitour muss in meinen Trainingsplan passen und meist habe ich nur im Dezember und Januar zwei Wochen Zeit, eventuell noch nach dem ersten Trainingslager im März. Wie muss man sich Nino Schurter auf Tourenskiern vorstellen – immer im Laufschritt voraus? Nein, meist ist es ein Ausdauertraining, das dann auch nicht allzu intensiv FOTO: JOCHEN HAAR sein darf. Es ist vergleichbar mit dem Grundlagentraining auf dem Rennvelo. Ich versuche jedoch immer, das Tempo zu variieren. Zu viele Skitouren sind aber nicht gut für die Saisonvorbereitung. Es sind sehr langsame Bewegungen und ich würde sicher an Geschwindigkeit verlieren. Im Vergleich dazu sind beim Langlaufen die Bewegungen schneller. Für Trainingszwecke ist das Langlaufen daher der bessere Sport. Langlaufen kann ich auch, wenn’s schneit oder wenn’s neblig ist. Dann kann man keine Skitouren gehen, ausser man ist ein ganz wilder Kerl. Gibt es überhaupt jemand, der deine Geschwindigkeit mitgehen kann? Ich gehe immer mit Kollegen auf Skitour, die allesamt auch Mountainbiker sind. Letzten Winter war ich einer der Langsamsten, weil ich die breitesten Ski und die schwersten Schuhe hatte. Mitte der Saison musste ich dann auf einen leichten Ski und einen leichten Schuh umstellen, damit ich mit meinem Kollegen Severin Disch mithalten konnte. Aber der ist ja auch Bergführer, wohnt in Davos und ist den ganzen Winter über auf Skitour … (lacht). Aber die breiten Skier zeigen auch, dass dir das Abfahren genauso wichtig ist wie der Aufstieg? Mir ist es nicht so wichtig, wie lange ich brauche, um hochzukommen. Aufsteigen ist für mich ein zusätzliches Training, aber runter will ich dann schon meinen Spass haben. Am Berg hast du einen Freund, der Bergführer ist, auf dem Bike bist du der Team-Leader. Fällt es dir leicht, am Berg die Verantwortung abzugeben? Ich verlasse mich schon auf ihn, habe ein gutes Gefühl und vertrau auf ihn. Mit ihm zusammen mach ich auch Sachen, die ich alleine nie wagen würde, auch was die Beurteilung der Lawinensituation anbelangt. Wenn ich mit einem Freund gehe, der auch nicht viel Erfahrung hat, gehe ich meistens ins Safiental. Da gibt es viele Touren, die selbst bei grosser Lawinengefahr nicht kritisch sind, weil es kaum Hänge jenseits der 30 Grad gibt. Mit Severin, dem Bergführer, bin ich letzten Winter auch teils anspruchsvollere Sachen gefahren. Wir waren beispielsweise auf dem Piz Palü und der Sulzfluh. «Einsame Hänge, kein Skilift, fast keine Häuser – einfach wunderschön.» Im Winter ist Nino Schurter öfters auf Skitour im Safiental unterwegs. Was war dein bisheriges alpinistisches Highlight? Ich habe letzten Winter zum ersten Mal eine hochalpine Tour gemacht, bei der ich mit Steigeisen gehen musste. Es ist cool, wenn's mal anspruchsvoller wird und man aus der Komfortzone raus muss. Aber ich weiss noch nicht so recht, ob solche alpine Touren wirklich das Richtige für mich sind. Wirklich gerne gehe ich ins Safiental – da ist man für sich allein, es ist nicht gefährlich und ich habe nicht das Gefühl, ein Risiko einzugehen. Das Risiko ist das eine, wie sehr geniesst du auf Tour die Ruhe als Kontrast zum hektischen Alltag während der Saison? Ich würde jetzt nie am Rand einer Skipiste hochlaufen und dann runterfahren. Wenn ich Skitouren gehe, dann möchte irgendwo hin, wo die Leute nur hinkommen, wenn sie rauflaufen. Und da ist das Safiental 44 INSPIRATION 01 / 2019 45

Deutsch

NEWSLETTER