Aufrufe
vor 1 Jahr

Inspiration 01-2019 deutsch

  • Text
  • Lowa
  • Inspiration
  • Schweizer
  • Schweiz
  • Zeit
  • Soleil
  • Gewicht
  • Meter
  • Bergsport
  • Gipfel

WEGWEISER ROUTE SOLEIL

WEGWEISER ROUTE SOLEIL TOUR DER LANGEN SCHATTEN Exklusive Hütten und feine italienische Küche auf der einen, leere Winterräume und verlassene Alpböden auf der anderen Seite. Dazu sieben Tage Sonne satt. Die Route Soleil verbindet nicht nur die Schweiz mit Italien, die Skidurchquerung ist auch eine einsame Tour zwischen den Welten. TEXT STEFAN LOIBL, FOTOS BASCHI BENDER Nach dem Leckihorn-Gipfel und einer ruppigen Abfahrt heizt uns die Sonne auf dem 12 Weg zur Gonerli lücke ein. INSPIRATION 01 / 2019 Im grosszügigen Winterraum der Binntalhütte muffelt es gewaltig. Dabei hatten wir bei unserer Ankunft alle Fenster freigeschaufelt und die ausgekühlte Steinhütte ordentlich durchgelüftet. Nun baumeln unsere feuchten Innenschuhe über dem Holzofen wie Duftbäume mit der Geruchsnote «Fussschweiss». Das scheint den Unbekannten nicht zu stören, der vom stockdunklen Gang in den Gastraum stolpert. Mitte 30, langer Bart und einen massiven Rucksack auf den Schultern. «Bist du alleine unterwegs», frage ich ungläubig, als er gerade beginnt, seine Klamotten über Bänke und Stühle zu hängen. «Ja, seit zwei Wochen bin ich solo am Weg», murmelt er in seinen Vollbart hinein, als sei das so normal wie Brötchen holen. Mit Worten geht er sparsam um. Das mag an den vielen einsamen Tagen im Gebirge liegen. Es benötigt einiges an Hartnäckigkeit, um zu erfahren, was ihn in diesen verlassenen Winkel der Blinnenhorngruppe treibt. Mark heisst er und seit bereits 25 Tagen ist er auf Skiern unterwegs. Aufgebrochen zu seiner Ost-West-Alpendurchquerung ist er in Innsbruck. Mit seinem Kumpel, doch der habe dann abgebrochen. Nun zieht es der Innsbrucker Bergretter eben alleine durch bis Chamonix. Am Abend der dritten Etappe unserer einwöchigen Skidurchquerung kommen wir uns nun wie blutige Anfänger vor. Dabei hatten es die ersten drei Teilstücke vom Start in Realp bei Andermatt bis zur Binntalhütte teils ganz schön in sich. Einzige Konstante an allen Tagen: strahlender Sonnenschein. Aber das erwartet man ja auch, wenn die Tour «Route Soleil» heisst. Doch der Sonnenweg ist unter Skibergsteigern weit weniger bekannt als die Walliser Haute Route, eine Silvretta-Durchquerung oder die benachbarte Urner Haute Route. Vielleicht, weil die hohen Paradegipfel fehlen. Oder man keinen über die Grenzen hinaus bekannten Gebirgszug durchquert, sondern entlang des Alpenhauptkamms mehrere kleine Berggruppen unter die Felle nimmt. Uns reizte etwas ganz anderes: Insgesamt sechs Mal wechselt man während der sieben Tage in einen anderen Kanton oder gleich ein anderes Land. Am zweiten Tag etwa von Uri zuerst ins Wallis und am Nachmittag hinüber ins Val Bedretto im Tessin. An Tag vier und fünf führt die Tour nach Italien, ehe man auf der sechsten Etappe auf dem Weg zum Simplonpass wieder auf Schweizer Boden zurückkehrt. Genau diese Grenzgänge machen den Reiz der Tour aus und garantieren täglich wechselnde Eindrücke, Begegnungen und auch Preise. WIE AM STRAND VON RIMINI Doch von vorne weg: Zugegeben, von der Einsamkeit der Route Soleil spüren wir am ersten Tag nicht viel. Denn nachdem wir den Stangenslalom zur berühmten Rotondohütte hinauf hinter uns gebracht haben, müssen wir auf der Sonnenterrasse nach einem Plätzchen 13

Deutsch

NEWSLETTER