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Inspiration 04-2019

HOCHGENUSS LICHT AM BERG

HOCHGENUSS LICHT AM BERG LICHT AM BERG bis zu 22 Meter breiten, kuchenstück- förmigen Durchschlupf in den Felsen geboxt hat: das Martinsloch. Durch die Öffnung im Berg scheint zweimal im Jahr – wenige Tage vor Frühjahrsbeginn im März und einige Tage nach Herbstbeginn – das Sonnenlicht auf die 1600 Meter tiefer gelegene Ortschaft Elm. Schon im 18. Jahrhundert beschrieben Naturforscher, wie der fast fünf Kilometer lange, vor allem bei dunstigem Wetter gut sichtbare Lichtkegel dabei sogar den Elmer Kirchturm anstrahlt, immer nur für wenige Minuten in den Morgenstunden, wie ein grosser natürlicher Scheinwerfer. In regelmässigen Abständen schaut sogar der Vollmond durch das Felsenfenster ins Tal. Dass er dabei auch exakt das Gotteshaus anleuchtet, soll aber nur in etwa so häufig zu beobachten sein wie der Halley’sche Komet in Erdnähe. TOURISTISCHE LEUCHTTÜRME Überhaupt haben Mond und Sterne heute ihren festen Platz im Sortiment der touristisch genutzten Lichtspiele. Glüna Plaina, rätoromanisch für Vollmond, wird an der Diavolezza im Oberengadin seit einigen Jahren für romantische Skiabfahrten ohne künstliche Beleuchtung genutzt; auch in anderen Destinationen wie Zermatt, Arosa und Saas-Fee lässt sich im erstaunlich hellen Schummerlicht des Erdtrabanten An wenigen Tagen im Jahr scheint die Sonne durch das Martinsloch an den Tschingelhörnern – noch seltener beleuchtet es den Kirchturm von Elm. auf Pisten ins Tal wedeln. Auf dem Hotel am Gornergrat ist auf 3120 Metern Meereshöhe nach dem Abendessen gerne einmal Sternsehen mit rund 4000 Superstars des Nachthimmels angesagt, und selbst am Micky-Mouse-Mountain Pilatus vertraut man an Astronomie-Abenden mit Blick auf die Sternennacht schon einmal auf die pure Kraft des Universums statt auf die Tricks der Techniker. Die grössten Lichtfester der Nation sind ohnehin nicht auf Schweinwerfer oder Lampen angewiesen. Denn wenn am 1. August zum Nationalfeiertag die Höhenfeuer entzündet werden, braucht es dazu seit Jahrhunderten im Grunde nur eines: jede Menge Holz. Und mit einem im Sonnenuntergang beleuchteten Gipfel, ob felsig oder eisig, können auch die grössten Leuchten des Destinationsmarketings nicht konkurrieren. ALPINE LICHTBLICKE Skyspace Zuoz (GR) Zu den Kunstschätzen des Hotel Castell zählt auch James Turrells «Lichtiglu» – ein faszinierend-meditatives Spiel von Kunstlicht und Dämmerung, das 24 Stunden begehbar ist. hotelcastell.ch Martinsloch Elm (GL) Durch das Martinsloch und genau auf den Elmer Kirchturm scheint die Sonne jährlich am 13. und 14. März sowie vom 29. September bis zum 1. Oktober. Wer im Standort etwas variabler ist, kann die Sonne im Zeitraum mehrerer Wochen im Martinsloch beobachten. Die nächsten Vollmonde im Martinsloch erscheinen am 1. Oktober 2020 (zu sehen etwas westlich von der Elmer Mineralquelle) bzw. am 1. Oktober 2058 (exakt von der Elmer Kirche aus). Mehr Infos: wikipedia.org/wiki/Martinsloch, elm.ch Zauberwald Lenzerheide (GR) Lichtkunst, Kulinarik und Musik zur Weihnachtszeit, vom 13. bis zum 30. Dezember 2019. zauberwald-lenzerheide.ch ONE MOVE Gerry Hofstetters Illuminationen der SAC-Hütten als Buch «Hütten im Alpenglühn» (2015), ISBN: 978-3-03810-037-9 Glüna Plaina Vollmond-Skifahren auf der Diavolezza (GR), 1x monatlich von Januar bis April. Genaue Termine zum Saisonstart auf diavolezza.ch Lichtverschmutzung Gegen die Lichtverschmutzung in der Schweiz kämpft der Verein Dark-Sky Switzerland darksky.ch. Spannend für den weltweiten Überblick: lightpollutionmap.info 40 INSPIRATION 04 / 2019 FOTO: THOMAS BAER THE REVOLUTIONARY SKI BOOT SYSTEM 41

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