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Inspiration 04-2019

EXPERT STIRNLAMPEN JE

EXPERT STIRNLAMPEN JE SCHNELLER, DESTO HELLER Stirnlampen lassen dank moderner LED- und Akkutechnik kaum mehr Wünsche offen. Aber nicht jeder Bergsportler braucht die Vollausstattung. Welche Features wirklich hilfreich sind und warum viel nicht immer viel hilft – ein Überblick. ILLUSTRATION: SOPHIE KETTERER TEXT THOMAS EBERT Sind Sie schon mal im Kerzenschein geklettert? Eine 6a-Verschneidung mit Laterne in der Hand, wie die Pioniere? Oder haben Sie schon mal fröstelnd am Bergschrund auf das erste Tageslicht gewartet, weil sich das Eisfeld mit einer Taschenlampe in der Rechten einfach nicht so praktisch bewältigen lässt? Tatsächlich fällt es heute gar nicht so leicht, sich einen Alpinismus ohne Stirnlampen vorzustellen. Dabei sind sie als Ausrüstungsgegenstand erst seit den 1970er-Jahren üblich. Doch nicht zwingend alles, was damals als Innovation auf den Markt kam, würde heute noch als «Stirnlampe» kategorisiert: Vorne bullige Kunststoffgehäuse mit funzligen Glühlämpchen und Extra-Fach für die zwingend nötige Ersatzbirne, am Hinterkopf ein Behälter für die gefühlt kiloschweren LR20-Mono-Batterien, die sich bei Minusgraden schneller entluden als ein Abendgewitter im Hochsommer. KLEIN, LEICHT, LEISTUNGSSTARK Diese Zeiten sind glücklicherweise passé. «Es gibt im Bergsport eigentlich für alle Zwecke die perfekte Lampe. Die Entwicklung von LEDs und Lithium-Ionen-Akkus hat da schon enorme Komfortsprünge gebracht», urteilt Matthias Schmid, Produktmanager für Stirnlampen bei Bächli Bergsport. Zum einen sind Energiespeicher auf Lithiumbasis deutlich kompakter als Alkaline-Batterien. Vor allem aber wandeln LEDs, also lichtemittierende Dioden, viel mehr Energie in Licht statt in unerwünschte Wärme um, als es typische Glühbirnen mit Leuchtfaden tun. Unterm Strich stehen so mehr Lumen pro Watt zur Verfügung. Dadurch lassen sich heutige Stirnlampen ohne Leistungseinbussen wesentlich kompakter und leichter bauen. Ein Beispiel: Petzls neues Topmodell Swift liefert 900 Lumen Lichtstrom, bei nur 100 g Gewicht, inklusive Akku. Als zusätzliche Last fallen Stirnlampen kaum mehr ins Gewicht. Nur Trailrunner sollten darauf achten, dass die Stirnlampe nicht zu kopflastig ausfällt. Bei schnellerer Gangart neigen Stirnlampen sonst zum Aufschaukeln. Gegensteuern lässt sich mit einem mittigen Kopfband (z. B. Black Diamond Sprinter) oder indem der Akku an den Hinterkopf ausgelagert wird (z. B. Petzl Nao+). Apropos Akku: Die Mehrzahl der Stirnlampen, insbesondere solche mit hoher Lumenzahl, wird inzwischen per Lithium-Ionen- oder Lithium-Polymer-Akkus betrieben. Im Bereich der Camping- und Alltagslampen finden sich (noch) einige Modelle mit handelsüblichen AA(A)-Batterien. «Sehr praktisch sind Stirnlampen, die beide Optionen bieten», findet Matthias Schmid. Typisch kompakte, aber leistungsfähige Bergsteiger-Stirnlampen (z. B. Black Diamond Revolt oder Petzl Actik Core) lassen sich mit wiederaufladbarem Li-Ion-Akku oder AAA-Batterien betreiben. «Vor der Tour lädt man den Akku nochmal zu Hause auf, und ein paar AAA-Batterien nimmt man als Back-up mit. Meistens bekommt man sie sogar noch auf der Hütte», weiss Schmid. Das Horten von Unmengen Reserve-Batterien, inklusive Rätselraten über deren Ladestatus, erübrigt sich dank Li-Ion-Akkus mit Akku- und Ladestandsanzeige. Ein «Muss» bei der Ausstattung von Stirnlampen ist die Tastensperre, die ein ungewolltes Einschalten der Lampe und damit den Blackout verhindert. «Erst im Sommer war ich mit Kollegen auf der Sidelenhütte, da brannte im Körbli eines Gastes die Lampe munter vor sich hin», erzählt Schmid. Mittlerweile braucht man für das Aktivieren der Sperre auch keinen Doktortitel mehr: «Wir hatten schon vermeintliche Reklamationen, wo nur die Sperre drin war – allerdings eine wirklich komplizierte», erinnert sich Schmid. Heute wird die Sperre entweder mit einem simplen Schieber aktiviert (Petzl) oder mit einem ca. viersekündigen Tastendruck (Black Diamond, kleinere Petzl-Modelle). INSPIRATION 04 / 2019 27

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