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Inspiration 04-2019

EXPERT SOFTSHELLS DAS

EXPERT SOFTSHELLS DAS BESTE AUS ALLEN WELTEN Softshelljacken sind vor allem eines: ein guter Kompromiss. Sie verbinden die Vorteile einer dichten Wetterschutzjacke mit denen einer luftdurchlässigen Fleecejacke. Sie bestehen aus robusten, elastischen Stoffen mit einer wasserabweisenden Imprägnierung gegen Nässe und können so die perfekten Allrounder im Bergsport sein – wenn man kompromissbereit ist. ILLUSTRATION: SOPHIE KETTERER TEXT ALEXANDRA SCHWEIKART Eine perfekte Softshelljacke ersetzt alle anderen Jacken. Sie ist vielseitig, wetterfest, ein Produkt für jeden Sport. Doch gibt es das überhaupt? Hinter dem Begriff «Softshelljacke» verbirgt sich eine bunte Ansammlung von Oberbekleidung. Von wind dichten, dreilagigen Konstruktionen mit Membran bis hin zu hauchdünn gewobenen Stöffchen mit hohem Elasthan-Anteil, durch die der Wind luftig locker hindurchpfeift. Textildesigner in der Outdoorbranche können dazu auf einen immensen Pool an verschiedenen Materialien zugreifen und machen sich diesen bei Soft shells besonders zunutze. MATERIALIEN Wie der Name schon sagt, werden für Softshelljacken besonders weiche Materialien verwendet. Hierfür wird ein robuster Aussenstoff mit einem Feuchtigkeit absorbierenden Innenstoff oder Innenfutter kombiniert. Gemischt wird das Ganze mit Elasthan, auch Spandex genannt. Im Etikett steht dann beispiels weise 88 % Polyester, 12 % Elasthan. Zum Vergleich: Badeanzüge haben einen Elasthan- Anteil von 25 Prozent und mehr. Elasthan besteht überwiegend aus Polyurethan, das die Jacken elastisch und gleichzeitig reissfest macht. Dies kommt auch der Passform zugute. Durch das anpassungsfähige Material sitzt auch ein nicht so gelungener Schnitt wie angegossen. Zwischen Aussenstoff und Innenfutter ist bei manchen Softshelljacken eine Membran laminiert, die die Jacken winddicht macht. NÄSSESCHUTZ Im Gebirge kommt nicht alles Gute von oben: Im Schnitt regnet es im Sommer in den Schweizer Alpen an 15 Tagen im Monat! Softshelljacken werden als äusserste Schicht konzipiert, sind also mit einer Schutzschicht gegen Regen und Nässe ausgerüstet. Für einen dauerhaften Schutz kommt es auf die Qualität und die Haltbarkeit der wasserabweisenden Beschichtung oder «Imprägnierung» an. Dazu werden in einem Tauchbad, in einer Sprühanlage oder in einer Aufdampfanlage Chemikalien auf die Aussenseite der Jacken aufgebracht. Das gewünschte Ergebnis ist dasselbe: Wassertropfen perlen an der Oberfläche ab. Diese wasserabweisende Eigenschaft funktioniert gut bei leichtem Regen oder Schnee. Komplett wasserdicht sind Softshellstoffe jedoch allesamt nicht. Hierin liegt der wichtigste Unterschied zur Hardshell – der wasserdichten Wetterschutzjacke. Wie gut die Imprägnierung hält, zeigt sich erst nach einigen Tagen auf Tour und nach ein paar Waschgängen. Wichtig zu wissen: Lässt die Imprägnierung nach, sodass Wassertropfen nicht mehr gut vom Stoff abperlen, kann die Jacke einfach nachimprägniert werden. WINDSCHUTZ Oft werden Softshelljacken auch als «Windjacken» bezeichnet: Hier liegt nämlich ihre grosse Stärke. Es gibt zwei Möglichkeiten, einer Jacke windabweisende Eigenschaften zu verleihen. Die erste Möglichkeit besteht in einer zwischen Oberstoff und Innenfutter laminierten Membran. Hier kommt zum Beispiel das altbekannte «Windstopper» von W. L. Gore zum Einsatz, das neuerdings unter dem Markennamen «Gore Infinium» rangiert. Auch andere Membranen, etwa Schöller (z. B. «c_change» Membran bei Ortovox) finden Verwendung. Weil Membranen aber immer auch (mal mehr, mal weniger) den Dampfdurchlass des Stoffes mindern, findet auch eine zweite, traditionellere Methode noch weite Verbreitung. Winddicht bekommt man eine Jacke nämlich auch, indem man die Fasern so dicht miteinander verwebt, bis kaum mehr Luft hindurchkommt. Das klassische Loden- bzw. Filzprinzip wird heute natürlich auch moderner gehandhabt, aber technisch neu umgesetzt, etwa, indem mit Elasthan die Fasern zusätzlich zusammengezogen werden. Jacken mit Membran haben in puncto Windschutz ganz klar die Nase vorne! Jedoch ermöglichen Stoffe, die nicht komplett winddicht sind, eine gewisse Luftzirkulation, die bei sportlichen Aktivitäten wegen des Kühleffekts als angenehmer empfunden wird. INSPIRATION 04 / 2019 17

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