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Inspiration 04-2019

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RUBRIK UNTERRUBRIK WEGWEISER SKIHOCHTOUR BISHORN GRANDE FINALE Das Beste kommt zum Schluss: Wenn in tieferen Lagen der Schnee knapp wird, herrschen im Hochgebirge ideale Bedingungen für Skitouren. Und was gibt es Schöneres, als die Tourensaison mit einem 4000er wie dem Bishorn zu krönen? TEXT KIM STROM FOTOS DAN PATITUCCI Die letzten Meter zum Bishorn (4153 m) legt man meist ohne Ski zurück. Von hier schweift der Blick zur nächsten Traumtour – dem Grossen Gendarme 10 am Nordgrat des Weisshorns. INSPIRATION 04 / 2019 Beim Skitourengehen geht es nicht ums Skifahren», schreit Dan, um den Lärm unserer ratternden Ski auf der harten, vereisten Schneeschicht zu übertönen. «Hast du das inzwischen gelernt?» Es ist gut, dass wir nicht für Pulverschnee auf das Bishorn gestiegen sind. Auf der Abfahrt nach Zinal rutschen wir zuerst über gefrorene Eiswellen, dann brechen wir durch Bruchharsch, und weiter unten wartet eine zementähnliche Masse auf uns. Schnee gibt es hier zwar noch jede Menge, nur nicht den, den wir alle lieben – Powder. Das Bishorn ist einer der einfachsten Viertausender der Alpen. Ironischerweise wird er gelegentlich «Damen-Viertausender» genannt, dabei besteht die Menge der Tourengeher, die aufsteigen, fast ausschliesslich aus Männern. Drei Tage zuvor sind wir in St. Luc im Val d’Anniviers. Unsere dreitägige Tour führt uns nach Zinal – über die Turtmannhütte und die Cabane de Tracuit, eine einladender als die andere – und zwei hohe Gipfel, das Brunegghorn (3833 m) und das Bishorn (4153 m). Ein perfekter Rahmen für unser Girls-Wochenende, das die Skitourensaison beschliessen soll. Ein Schlepplift und zwei uralte Tellerlifte erleichtern uns die ersten Höhenmeter. Wobei: Seit ich Steigfelle besitze, habe ich keinen Skilift mehr benutzt und ich befürchte, dass dies der schwierigste Teil der Tour werden könnte. Während ich mich an den Bügel klammere, fällt mir wieder ein, warum ich kein grosser Fan von Skigebieten bin. Sie erinnern mich an das Erlernen des Skifahrens, an viele Stürze und an überfüllte Pisten. Ich bevorzuge das Tourengehen, denn es schenkt einem mehr Zeit: Zeit, den Rhythmus zu finden, mit Freunden zu lachen, zu schwitzen, die Gegend zu betrachten. Und man muss keine Angst haben, aus dem Schlepplift zu fallen oder vom Tellerliftfahren Krämpfe in den Oberschenkeln zu bekommen. Andererseits haben wir noch viele Höhenmeter mit Fellen vor uns, also trauere ich dem Pistenaufstieg nicht nach. Schnell sind wir auf der Bella Tola, lassen die Bügel fallen und verlassen den Pistenbereich. Wir überschreiten den Kamm zwischen Val d’Anniviers und biegen in das ruhigere, in der Nebensaison fast schon verlassene Turtmanntal ein. Eine tolle Zwischenabfahrt mit perfektem Firn, eine lange Traverse über dem Tal und ein einfacher Aufstieg bringen uns zur Turtmannhütte. Von ihrer Sonnenterrasse können wir unsere beiden Gipfelziele schon sehen, einen Nachmittag lang schwelgen wir im Ausblick. Im Hinterkopf haben wir aber auch, dass es keinen schnellen Ausweg gibt. Von hier erfordert die Fortsetzung der Tour viel Ausdauer. 11

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