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Inspiration 03-2019

EXPERT ALPINRUCKSÄCKE

EXPERT ALPINRUCKSÄCKE AUSSTATTUNG: DARF ES ETWAS WENIGER SEIN? Was die Features angeht: Zur Standardausrüstung gehören Seilbefestigung, Pickelhalterung sowie Helmnetz. Imhof empfiehlt jedoch, hier ganz genau hinzuschauen: «Eine Pickelbefestigung heisst nicht automatisch, dass sie für zwei Steileisgeräte funktioniert», so der Experte. «Die aggressiven Zacken der Eisgeräte sind besser in einer ‹Pickelgarage› wie beim Deuter Guide 35+ aufgehoben als in einer blossen Pickelschlaufe.» Seitliche Kompressionsriemen sind quasi Pflicht – zur Fixierung von Ski, Stöcken, Isomatte oder Seilschlaufen. Ein weiterer Pluspunkt der Riemen: «Der Rucksack ist gut komprimierbar und man bringt den Schwerpunkt nah an den Körper», sagt Imhof. Unterschätzt ist der Nutzen eines höhenverstellbaren Deckelfachs. «Lässt sich der Deckel anheben, kann zusätzliches Material problemlos aufgeladen werden – oder man komprimiert ihn, wenn Vorräte aufgebraucht sind.» Alternativ empfiehlt sich bei halbvollem Rucksack, den Deckel im Hauptfach zu verstauen. Das verschafft mehr Bewegungsfreiheit für den Kopf, insbesondere mit aufgesetztem Helm. Zusätzliche Detaillösungen wie Daisy Chains, eine äussere Steigeisenbefestigung oder ein zweiter Hauptfachzugang hängen vom Hersteller sowie den eigenen Vorlieben ab. «Ein einfacher Zugang von oben spart Gewicht. Aber viele Rucksäcke besitzen einen seitlichen Reissverschluss, über den man schneller an die Handschuhe oder das Getränk kommt», so Imhof. Ein gewisses Komfortplus, welches die einen nicht missen möchten, die anderen bewusst einsparen. schen Steckschnallen aus Plastik werden immer häufiger Gurthaken aus Aluminium verwendet. «Die sind nicht nur langlebiger, sondern lassen sich auch einhändig oder mit Handschuhen bedienen», weiss Imhof. Angesichts der Anforderungen sollte ein Alpinrucksack eine solide Garnstärke aufweisen, die man an der Denierzahl ablesen kann. «Ideal wäre ein Nylon- oder Polyester-Gewebe mit 1000 Denier, aber das wäre extrem schwer», sagt Imhof. Zumindest am stark beanspruchten Boden sollte ein Alpinrucksack 600 bis 800 Denier starkes Gewebe aufweisen. Ein robuster und zugleich leichter Materialmix ist das mit Dyneema-Fasern verstärkte Polyester, welches derzeit im Whiteout 30 von Exped verarbeitet wird. «Der Oberstoff besteht aus Polyester, in der Mitte kommt Dyneema zum Durchdachte Detaillösungen: Karabiner, Expresschlingen und anderes Material können dank integrierter Materialschlaufen am Hüftgurt befestigt werden. Gurthaken aus Aluminium sind robust, langlebig und lassen sich selbst mit Handschuhen gut bedienen. Der Kontaktrücken bringt den Lastenschwerpunkt näher zum Körper, was besonders in anspruchsvollem Gelände wichtig ist. So gerät der Rucksack nicht ins Schwanken und der Träger bleibt im Gleichgewicht. – WE PROTECT THE PLANET, WE PROTECT THE PEOPLE. Einsatz und wasserdicht wird das Material durch eine TPU-Beschichtung auf der Innenseite. Besonders die ersten beiden Schichten sorgen für eine hohe Abriebfestigkeit», sagt Exped Product Manager Marc Raillard. Auch andere Hersteller wie Mountain Hardwear oder Millet verwenden die von Bandschlingen her bekannte Dyneema- Faser, die mit geringem Gewicht und hoher Widerstandsfähigkeit überzeugt. Seit Jahren bewährt ist auch hochwertiges Nylon, insbesondere in reissfester Ripstop-Ausführung. Ob der Alpinrucksack nun noch wasserdicht sein soll, wie es neuerdings einige Hersteller propagieren – das bezweifelt Bächli-Experte Imhof. «Die meisten Bergsteiger gehen bei stabilem Wetter los.» Und überhaupt: «Muss ich mit einem Alpinrucksack schwimmen können?», fragt Imhof rhetorisch. Ein Alpinrucksack kann vieles, aber nicht alles – und der beste genau so viel, wie er soll. Verschiedene Lösungen bieten Hersteller ebenso bei der Verarbeitung der Hüftflossen an. «Beim Tragen eines Klettergurtes darf der Hüftgurt des Rucksackes nicht unangenehm auftragen. Deswegen ist er oft reduziert», erklärt Imhof. Viele Hüftgurte sind sogar komplett abnehmbar. Alternativ steckt man diese nicht vor der Hüfte, sondern hinter dem Rucksack zusammen. Eine andere Lösung sind Hüftflossen mit integrierten Materialschlaufen. Wir entwickeln und fertigen technische Bekleidung und Accessoires aus den fortschrittlichsten recycelten Materialien und mit nachhaltigen Produktionstechniken. – RECYCELTE MATERIALIEN IN UNSERER FRÜHJAHR/SOMMER KOLLEKTION 2019. TEPPICHE 100% PFC FREE FISCHNETZE PLASTIK DAUNEN KAFFEESATZ WOLLE NUSSSCHALEN FLASCHEN MATERIAL: DYNEEMA, RIPSTOP UND CO. Auch beim Material zählt der Kompromiss aus Leichtigkeit und Langlebigkeit. Statt der typi- Schmal an der Hüfte und nach oben breiter: Die V-förmige Passform der Alpinrucksäcke sorgt für die nötige Bewegungsfreiheit. www.ternua.com 28 INSPIRATION 03 / 2019 29

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