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Inspiration 02/2017 dt

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HOCHGENUSS HOTEL BIJOUX

HOCHGENUSS HOTEL BIJOUX SOLITÄRE DER SCHWEIZER ALPEN DER BÄCHLI BERGSPORT-TIPP Lavin ist ein guter Ausgangspunkt für Touren im Nationalpark, insbesondere die nächstgelegene Macun-Seenplatte. Die Berg- und Alphütten werden zwar immer komfortabler, doch viele Wanderer und Alpinisten ziehen die Annehmlichkeiten vor, die ein Berghotel bietet. Sei es als Ausgangspunkt oder Rückkehroase. Bächli Bergsport hat drei Bijoux im Engadin, im Glarnerland und im Wallis für Sie entdeckt. TEXT & FOTOS PETER HUMMEL HOTEL PIZ LINARD «PARADIES MIT BAHNANSCHLUSS» Auch nach der Eröffnung des Vereinatunnels 1999 ist das Unterengadiner Dorf Lavin ein Geheimtipp geblieben. Das Hotel Piz Linard schlummerte in einem Dornröschenschlaf, bis Gaby und Hans Schmid es wach küssten. Als langjährige Feriengäste waren die beiden St. Galler von der besonderen Energie und Ausstrahlung des Hotels eingenommen. Als der Verkauf des altehrwürdigen Hotels anstand, mussten die zwei nicht lange überlegen. Unter Spanplatten und Spannteppichen verbarg sich ein enormes Potenzial. Für einen Lebenstraum waren sie bereit, die Sicherheit ihrer Festanstellungen aufzugeben und Geldgeber und Aktionäre für ihr Projekt zu gewinnen. Als Quereinsteiger brachten sie mit, was erfahrene Hoteliers und Gastronomen vielleicht gefehlt hätte: viel Enthusiasmus und eine kräftige Portion Naivität. Sie mussten für den risikoreichen Umbau jenseits gängiger Konventionen viel Lehrgeld zahlen. Die Tatsache, dass sie angesichts des beschränkten Budgets jeden Franken fünfmal umdrehen mussten, führte zu kreativen Lösungen: So wurden im hinteren Trakt erste kleinere Zimmer pfiffig, aber kostengünstig renoviert, um dann die eindrücklichen Palazzoräume im Haupthaus nach und nach als Unikate von Künstlern und Designern gestalten zu lassen. Natürlich haben es Hotelmonumente im Oberengadin einfacher, wo Mäzene Umbauten mit Dutzenden von Millionen finanzieren. Die Schmids machten das mit Esprit und Herz wett. Hans Schmid ist ein hervorragender Kommunikator, seine Hotelprospekte und Aktionärsbriefe haben geradezu literarisches Niveau. Sein Slogan «Paradies mit Bahnanschluss» hätte auch aus der Feder Die fehlenden Millionen machten die Schmids mit Esprit und Herz wett. Die ausgefallene rosa Farbe ist optisches wie inhaltliches Markenzeichen. eines hoch dekorierten Werbers stammen können. Auch der visuelle Auftritt ist bestechend: Wenn schon das Hotel einen auffällig rosa Anstrich hat, sollte auch die Internet-Präsenz auf dieser ungewöhnlichen Farbe aufbauen. Schmid und sein Team sind Gastgeber aus Leidenschaft. Im Piz Linard konnten sie ihr Flair für Gastfreundschaft und Atmosphäre «stilo italiano» vielfältig umsetzen. Lavin mit dem teils durch italienische Baumeister geprägten Baustil und der nahen romanisch-italienischen Sprachgrenze ist der richtige Ort dafür. Auch der Anspruch, den besten Espresso des Tales zu brauen, ist längst erfüllt. In diesem Frühling jährt sich die Neueröffnung zum zehnten Mal. Der Hotelumbau ist mit 17 Zimmern praktisch fertig. Dazu konnte ein Nebenbau erworben werden, wo eine Bibliothek und stimmungsvolle Räume für Retraiten und «Bergbürolisten» eingerichtet wurden. Hans Schmid und sein neuer Geschäftspartner können positiv resümieren: «Das Piz Linard atmet den Geist, den wir ihm zurückgeben wollten. Es hat die besondere Ausstrahlung, welche heutige Gäste von einer authentischen Gastfreundschaft in den Bergen erwarten.» Entsprechend ist das erfreuliche Echo: auf die eindrückliche Nicht-Punkte-Küche, die unkonventionellen Zimmer mit den wohligen Betten (reine Leinenwäsche), auf den unaufdringlichen Stil und für die augenzwinkernde Herzlichkeit. Der Patron Hans Schmid hat das Hotel Piz Linard aus dem Dornröschenschlaf geküsst. Gleichwohl können und wollen sich die Gastgeber nicht zurücklehnen – jetzt arbeiten sie an der Kür, etwa einer Lobby, einer Bar oder dem geplanten Dampfbad. Der Mut zur Ganzjahresöffnung fordert viel Kreativität in der Zwischensaison. Hans Schmid – dem ehemaligen Kulturchef des Kantons St. Gallen – fällt das dank seines intakten Beziehungsnetzes zu Kulturschaffenden nicht schwer: Da gab's New York Jazz, Bass am Inn oder das CineMacun, das Steinbockkino. Ihr Kulturprogramm verstehen die Hoteliers nicht einfach als Gästeanimation, sondern als Ergänzung der kulturellen Tradition im Dorf. Im Bestreben, für Dorf und Tal möglichst übers Ganze Jahr da zu sein und den Rhythmus der Gäste auf jenen der Mitarbeitenden abzustimmen, hat sich das Piz Linard für die Fünftagewoche entschieden. www.pizlinard.ch 38 INSPIRATION 02 / 2017 39

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