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Inspiration 02/2017 dt

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WEGWEISER TESSIN DAS

WEGWEISER TESSIN DAS TESSIN IN ZAHLEN 2812 QUADRATKILOMETER FLÄCHE = 7 PROZENT DER SCHWEIZ Harmonisch passen sich die Steinhütten der Alpe Masnée dem Fels der Umgebung an. 58 GIPFEL Weg für Zimperliche. Mal balanciert sie direkt auf dem Grat, der das Maggia- vom Verzascatal trennt, mal durch die dem Maggiatal zugewandten Flanken und Hochtäler auf einer Höhe von rund 2000 Metern. Ein exponierter Weg, immer wieder gibt es leichte Kletterstellen, steile Couloirs, viele Schutt- und Blockfelder, unzählige Aufund Abstiege. Das raubt Energie. Nicht jeder hält durch und muss sich unterwegs für den Abstieg entscheiden. Zwei der sechs Etappenunterkünfte sind Selbstversorgerhütten. Egal, wie erschöpft man ankommt – hier muss 147 SEEN 95 HÜTTEN Kammwandern zwischen Passo Nimi und Madone. ALTA VIA 6290 HÖHENMETER IM AUFSTIEG 5920 HÖHENMETER IM ABSTIEG 50 KM HORIZONTAL- DISTANZ man zuerst selber kochen. Aber eben gerade weil die Route Abenteuer verspricht, ist sie gefragt. Erst im Sommer 2010 eingeweiht, reicht ihr Ruf schon weit. Es scheint, je künstlicher unsere Welt wird, umso stärker wird das elementare Gegenstück gesucht. In wilder Natur auf sich selbst gestellt zu sein, wäscht den Geist rein, lässt wieder freier atmen und denken. Entsagen öffnet die Augen für das Wesentliche. ALPEN WERDEN ZU WANDERHERBERGEN Solche Gedanken lagen den Bergbauern von damals fern, die hier ums Überleben kämpften. Weit mussten sie in die unwirtlichen Höhen hinaufsteigen, um noch die letzten Grashälmchen für ihre Ziegen zu finden. Tempi Passati. Die meisten Alpen sind längst aufgegeben, viele Rustici sind zu Ferienhäusern umfunktioniert. Weise gehandelt hat das Patriziato di Prato mit dem Ausbau der Capanna Sovèltra 1997. Jahre später zogen die Gemeinden Giumaglio und Maggia nach. Sie restaurierten die seit Langem leerstehenden Steinhäuser der Alpe Spluga und der Alpe Masnée, richteten darin Wanderherbergen ein und schufen damit die Voraussetzung zur Realisierung der Via Alta Vallemaggia. Auch das Rifugio Tomeo, Stützpunkt der zweiten Etappe, erfuhr jüngst einen Ausbau. Efrem Foresti, der Verantwortliche, begrüsst uns herzlich. Scheinbar müssen wir einen ausgezehrten Eindruck machen, denn prompt steht ein Teller mit Häppchen aus würziger Salami und Bergkäse vor uns. Später, bei einer sämigen Polenta, erzählt uns Efrem von den Anfängen. Als Schreiner aus Prato im Talgrund hatte er beim Ausbau der Capanna Sovèltra zu tun. Dabei kam ihm die Idee einer Via Alta. Unermüdlich kundschaftete er das Gelände aus, suchte alte Pfade und Übergänge, Gleichgesinnte und Sponsoren. Heute ist er Präsident der Associazione Via Alta Vallemaggia und glücklich, dass der Weg das Erbe seiner Vorfahren wieder belebt. Die Mitglieder der Vereinigung lassen es sich nicht nehmen, die Via Alta jeden Sommer selbst unter die Haxen zu nehmen. Das nennt man Passion. VOM BANKER ZUM ZIEGENBAUER Über leichte Kletterpassagen geht es am nächsten Morgen aus dem eindrücklichen Felsenkessel des Lago di Tomeo in aussichtsreiche Höhen hinauf. Verwunschene Terrassen, immer mal wieder eine verlassene Steinhütte. «Der Via Alta zu folgen kommt dem sich Fortbewegen auf dem Rücken eines grossen Dinosauriers gleich, der seinen Schwanz im Lago Maggiore badet und den Kopf zum Kamm der Alpen erhebt.» BRUNO DONATI 22 INSPIRATION 02 / 2017 23

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