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Inspiration 01/2016 dt

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Mit Feder und Tusche

Mit Feder und Tusche werden die Felsschraffuren gezeichnet (r). Diese Handtechnik erlaubt es, auch unterwegs ohne Stromquelle jederzeit den Griffel in die Hand zu nehmen. Gipfeltreffen 18

«Die Normalroute interessiert mich weniger.» Kartografin, Perfektionistin, Bergliebhaberin. Papierfixiert und dennoch offen fürs Digitale. Neugierig und bescheiden: Sandra Greulich arbeitet seit fast 20 Jahren bei swisstopo. Seit zehn Jahren erstellt sie in ihrer Freizeit Landkarten vom Niemandsland am Ende der Welt. Argentinien, Februar 2005, Nordroute des Cerro Aconcagua. Das Tal wird immer schmaler, Sandra Greulich und Sacha Wettstein hoffen innig, einen Übergang zum Haupttal zu finden. Das Tal endet. Ein Wasserfall. Unmöglich, dort hochzuklettern, auch für die erfahrenen Bergsteiger. Eine präzise Karte des Gebiets haben sie nicht – die erstellen sie ja gerade. «Wir wussten nicht, wie wir aus diesem Tal wieder herauskommen. Ob wir aussteigen können oder die drei Tagesmärsche wieder zurückgehen müssen», blickt Greulich zurück. «Doch genau das gehört eben dazu: das Ungewisse. Ja, das Abenteuer.» Den Erkundern gelingt es schliesslich doch noch, eine Seitenflanke aus Geröll hochzukraxeln und so ins sichere Haupttal zu gelangen. Die eigenen Grenzen kennen Sandra Greulich kann sich gut einschätzen – insbesondere, was das Verhalten in der Natur angeht. Wenn sie von der Feldarbeit erzählt, wird das Lächeln breiter, die braunen Augen strahlen. Sie trägt Jeans und einen grauen, sportlich geschnittenen Fleece. Die Haare sind locker hochgesteckt. Die 43-Jährige war jahrelang alleine im Gelände unterwegs: acht Jahre intensive Feldarbeit für swisstopo, das Bundesamt für Landestopografie, daneben das Privatprojekt «climbing-map». In der Natur müsse man für sich ganz allein die Verantwortung übernehmen, sagt sie: «Wenn du etwa entscheiden musst: Überquere ich jetzt dieses Schneefeld oder nicht? Und du weisst, ausrutschen liegt nicht drin.» Früher hätte sie auch nicht immer ein Mobiltelefon dabei gehabt. Oder das Gerät hatte keinen Empfang. «Durch die Feldarbeit habe ich meine eigenen Grenzen kennengelernt», erzählt Greulich. Die Erfahrungen mit der eigenen Angst findet die Kartografin besonders prägend. So wie an dem Tag, als der Wanderweg im Wallis, den sie erfassen sollte, mitten durch eine riesige Schafherde führte. Alle 20 bis 30 Meter musste sie stehen bleiben, um eine GPS-Messung zu machen. Bald wurde der Herdenschutzhund auf die Störung aufmerksam. Die Topografin blieb ruhig und setzte ihre Arbeit fort. Doch der Hund wurde zunehmend aggressi- Gipfeltreffen 19

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