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Inspiration 01/2016 dt

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B-Seite: Auch die

B-Seite: Auch die Rückseite des Haldigrats bietet traumhafte Hänge und Panoramablicke. Wegweiser 14 zwischen zieht sich ein breites, tiefes Pulverband durch das kupierte Gelände. Der perfekte Spielplatz für einen Neuschneetag wie heute. Nach etwa der Hälfte der Abfahrt stoppt Jürg. Bis zu den Hüften eingesunken, watet ein Mann durch den Schnee, auf den Schultern seinen kleinen Sohn. Der würde in der weissen Pracht versinken, würde er ihn absetzen. «Jetzt ist er da, der Winter», meint er und wünscht noch einen «mega Skitag». Das muss er nicht zweimal sagen. Schon staubt der Schnee wieder, ehe die Konsistenz der Unterlage zweihundert Höhenmeter tiefer in kräftezehrenden Pappschnee kippt. «Egal», zuckt Jürg mit den Schultern, «wann hast du schon die Gelegenheit zu einer Freeride-Abfahrt bis auf fast 400 Metern Höhe?» Dicke nasse Flocken fallen vom Himmel, als er in Gersau die Ski schultert und an der Uferpromenade unter verschneiten Palmen entlangschlendert. Hier an den Südhängen entlang des Vierwaldstätter Sees, an der «Riviera der Zentralschweiz», herrscht ein mildes, beinahe mediterranes Mikroklima. Umso grossartiger ist das Erlebnis, von der Rigi die gut 1’000 Höhenmeter bis zum See hinabschwingen zu können. Jürg stapft auf einem Anlegesteg in den See hinaus. Nächstes Ziel? Er zeigt mit dem Skistock auf den milchigen Himmel über dem See. Wasserski? Pulver ahoi – per Schiff zum nächsten Berg Nicht ganz. Ein paar Minuten später legt die «Titlis» am Steg an und schippert Ski und Skifahrer ans Südufer nach Beckenried. Nur einen Katzensprung von der Schiffsanlegestelle entfernt führt die Gondel der Klewenalpbahn wieder in alpinere Regionen. «Eigentlich ein Familienskigebiet ...», erzählt Jürg in der Gondel, «aber schau’ selbst!» Spätestens am 2’001 Meter hohen Chälenegg wird Jürgs Andeutung klar. Gerade an Neuschneetagen im Hochwinter finden hier auch Freerider lohnende Runs. «Mit ein bisschen Glück reisst es noch auf», über-

Ein Schiff wird kommen: nach der Abfahrt von der Rigi mit dem Dampfer ins nächste Skigebiet an der Klewenalp. legt Jürg. Doch Minuten später stürmt und schneit es schon wieder, was das Zeug hält. Zeit für eine Pause. Vorher aber späht er als routinierter Skiguide noch ein paar Varianten im offenen Waldgelände aus. Ein Traum. Jürg hebt von einem verschneiten Baumstumpf ab. Er zieht eine staubende Schneefahne hinter sich her. Weit, ganz weit. Fast sieht es aus, als würde er im Vierwaldstätter See landen, der einem dunklen Fjord gleicht. «Später einzelne Aufhellungen», meldet Jürgs Wetter-App hartnäckig beim Mittagessen. Inspiration für neue Pläne. «Wie wär’s mit einer kleinen Abenteuertour?», fragt Jürg. Übers Hinterjochli ins Grosstal nach Isenthal, dann weiter zum Urner See und mit dem Schiff zurück. Doch wieder oben auf der Klewenalp fällt der Plan schnell dem Neuschnee zum Opfer. Die Gipfel hüllen sich immer noch in dichte Wolken. Und auch die Lawinengefahr ist in den steilen Hangpassagen vermutlich zu hoch. Alternative wäre eine Querung vom Skigebiet Klewenalp über das Brisenhaus zum Haldigrat. Doch gerade als Jürg die beste Linie für die Route anpeilen will, zieht der nächste kräftige Schneeschauer herein. «Macht nichts, der Haldigrat läuft uns nicht davon», nuschelt Jürg und zieht die nächste Line durch den märchenhaften Winterwald bis hinab nach Beckenried. Ein Lift, drei Sessel, viel Spass Der nächste Morgen hat gleich zwei Überraschungen parat. A: Sonne. Und B: eines der schrägsten und originellsten Skigebiete weltweit. Ein geradezu anachronistisches Gegenmodell zu den grossen Skiarenen. Eine Gondel führt von Dallenwil bei Stans hinauf nach Niederrickenbach. Dort steht die Wallfahrtskirche Maria-Rickenbach, ein Pilgerhaus und sonst nicht viel. Jedenfalls kein Skigebiet. «Hier lang», deutet Jürg auf einen verschneiten Weg, der sich leicht bergauf zu einem Alpboden zieht. Nach einer halben Stunde ist auf einer Lichtung ein grosser Holzschuppen erreicht. An seiner fensterlosen Rückwand prangt eine ausgebleichte Skipanoramakarte, Format zwei auf zweieinhalb Meter. Sesselbahn Brisen, Haldigrat. Länge: 1’853 m. Höhendifferenz: 707 m. Stolze Stundenleistung: 55 Personen. Etwas vergilbt lässt sich hinter den beiden Fünfen noch eine Null erahnen. Die einstige Liftkapazität: 550 Personen. Die Wegweiser 15

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