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Inspiration 01/2016 dt

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Wegweiser 12 Fjordblick:

Wegweiser 12 Fjordblick: Der Haldigrat bietet neben nordseitigem Pulver tolle Aussichten.

Kleiner Trip – grosses Glück Es müssen nicht immer die grossen Skiresorts sein. Abseits der Pisten bieten gerade kleine und scheinbar verblühte Skigebiete unvergessliche Erlebnisse. Ein Retro-Trip in den Freeride-Himmel über dem Vierwaldstätter See. «Jetzt oder nie!», sagt Jürg am Telefon. Es ist Ende Januar. Eigentlich hatten wir ein langes Wochenende geplant. Freeriden in Engelberg. Oder vielleicht doch in Andermatt? Es hat ordentlich Neuschnee gegeben in den vergangenen Tagen und es soll noch mehr kommen. Doch dazu Wind, Wolken, Sturm – nicht gerade feine Bedingungen für baumloses hochalpines Gelände. «Jetzt oder nie!», wiederholt Jürg. Wie bitte? Eine desperate Aktion mit der Wahl zwischen Harakiri-Ritten bei hoher Lawinengefahr oder verhockten Tagen in der Hütte? «Nein», entgegnet Jürg und erklärt in ruhigen Worten seinen Alternativplan. Am Ende des Telefonats bin ich überzeugt: «Jetzt oder nie!» Zwei Tage später. Morgens um acht. Die Schritte unserer Skistiefel hallen durch die Seilbahnstation Kräbel. Einsam. Verlassen. Dabei liegen draussen locker 20 Zentimeter Neuschnee. Die kleine, leicht antiquierte, rote Luftseilbahn erinnert ans Postkartenzeitalter und bringt uns hinauf auf Rigi Scheidegg. Wir schweben vorbei an Bäumen, bepackt mit dicken Schneepolstern. Die werden von Minute zu Minute fetter. Jürg hat in der Region um den Vierwaldstätter See seine Wahlheimat gefunden. In den nächsten beiden Tagen will er mir ein paar Ecken davon zeigen. Von einem «Skierlebnis der besonderen Art» hatte er am Telefon gesprochen. An der Bergstation steht – eingeschneit in eine frische, teils mehr als meterhohe Schneewehe – ein Ratrac, das Originalmodell aus den Sechzigerjahren. Powdern bis zur Palmen-Promenade Die Windböen treiben dicke Schneeflocken vor sich her. Immer noch kein Mensch weit und breit. Kaum vorstellbar, dass hier im Sommer Karawanen von Panoramawanderern entlangpilgern. Ein paar Minuten später zieht Jürg im hüfttiefen Pulverschnee die erste Spur über die Hänge der Gersaueralp. Hier auf der Südseite, im Lee des Rigi Grates, ist der Schnee über Nacht fast ohne Wind gefallen. Fluffig, locker und richtig tief. Links und rechts bieten zu Schneemännern mutierte Fichten Orientierung. Da- Wegweiser 13

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